Kunst der Kontinuität oder: Was bleibt von 2005/2006?
Kunst komme nicht von Können, sondern von Müssen, meinte Arnold Schönberg. Die diesjährigen Ergebnisse unserer Kritiker-Umfrage zeigen noch etwas anderes: Kunst kommt von Kontinuität. Zumindest in der Oper. Dort kann Kontinuität viele Bereiche betreffen. Der schwerfällige Apparat eines Opernhauses braucht Zeit, sich auf bestimmte Leitlinien einzustellen, seien sie künstlerischer oder organisatorischer Art. Ein Dirigent braucht Zeit, um sein Orchester dauerhaft auf ein bestimmtes Klangbild oder stilistische Flexibilität einzuschwören.
Ein Opernchor kann nur über Jahre, vielleicht sogar über mehrere Sängergenerationen hinweg so wachsen, dass er sich in der Musikgeschichte vom Barock bis zu Uraufführungen gleichermaßen sicher bewegt. Kollektive im Opernbetrieb sind gesättigt mit den divergierenden Erfahrungen vieler Einzelner. Das macht sie reich und skeptisch zugleich. Solisten können mit medialer Schützenhilfe und rigiden Agenten im Rücken heute leichter als je zuvor eine Blitzkarriere hinlegen. Im Gedächtnis, auch im kollektiven, bleiben freilich diejenigen, die ihre stimmlichen Möglichkeiten Schritt für Schritt erweitert und sich in verschiedenen Lebensaltern und Stilen ...
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Viel habe ich während meiner dreizehn Jahre als Intendant der Bayerischen Staatsoper gelernt. Dazu gehört, dass es leider nur zu oft unumgänglich für ein Opernhaus ist, bockig und kompromisslos zu sein. Es gehört zu unseren Aufgaben, die Vorstellung darüber, was möglich oder akzeptabel ist, auszudehnen. Die Politik sollte Toleranz aufbringen für das, was wir tun...
Opernwelt Die Erosion des sogenannten Bildungsbürgertums lässt sich leicht mit zwei Zahlen konkretisieren: Im Jahr 1958, ergab eine Studie, waren 58 Prozent der Opernbesucher in Deutschland unter fünfzig. Im Jahr 2005 waren es noch 26 Prozent. Was damit verschwindet, ist zweifellos auch ein Common Sense über das, was kulturell wichtig ist, was man kennen muss. Was...
Gedanken
Warum Musiktheater? Warum überhaupt komponieren? Immer wieder stellt sich mir diese Frage, wenn ich sprachlich auf Musik zugehe, auf ihre Geschichte und Gegenwart, ihre Rezeption und institutionellen Bedingungen. Und zugespitzt begegnet sie einem, wenn das Sujet selbst auf Sprache gründet, sie erzeugt und von ihr umgeben ist, wie es im Musiktheater der...
