Kultiviert tönt's aus Zottelfellen

Aachen geht mit dem Komponisten Anno Schreier auf Polarexpedition: «Prinzessin im Eis»

Ein neuer Operntypus erobert die Bühnen: die «Familienoper», ein Hybrid, der das schon existierende Genre der Kinder- oder Jugendoper so weit öffnen soll, dass sich auch der «erwachsene» Teil des Publikums nicht langweilt oder intellektuell unterfordert fühlt. Ein Balanceakt, bei dem man leicht nach der einen oder anderen Seite abrutschen kann. In Constantin von Castensteins Libretto zu der als «multinationale Polarkomödie» ausgewiesenen «Prinzessin im Eis» geschieht das leider unentwegt.



Es geht um eine Expedition, die im grönländischen (Rest-)Eis genetische Proben ausgestorbener Tierarten bergen soll. Doch die Crew erweist sich als inkompetent. Die Vertreter der beteiligten Nationen pflegen hauptsächlich ihre nationalen ­Eigenheiten: Der Deutsche besteht auf Ordnung (gemäß Handbuch), die Russen saufen, die Französin ist eine kettenrauchende Emanze, der US-Amerikaner ein sicherheitsneurotischer Geheimdienst-Pistolero, der Brasilianer leidenschaftlich, und der Afrikaner friert. Über ein durch Zufall entdecktes Erdgasvorkommen gerät die Truppe in Streit. Ein Rudel singender Eisbären (der Männerchor des Aachener Theaters tönt kultiviert aus seinen Zottelfellen) mahnt: «Ihr perforiert ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Februar 2014
Rubrik: Magazin, Seite 82
von Ingo Dorfmüller

Weitere Beiträge
Hochtourig

Die Statistik ist dürftig. Fünf Produktionen in den vergangenen elf Jahren, die letzte anno 2008 in Kaiserslautern, das kontrastiert krass zur einstigen Bedeutung. Mit rund 700 Aufführungen rangierte «Jonny spielt auf» in den Zwanziger- bis Vierzigerjahren auf der Hitliste ganz oben. Bis die Nationalsozialisten Ernst Krenek zur «Entarteten Musik» zählten. Und sie...

Ein wunderbares Missverständnis

Herr Spering, wie sind Sie auf die Idee  gekommen, Wagners «Iphigenia»-Version aufzunehmen?
Ich stöbere schon immer sehr gern in Musikantiquariaten. Eines Tages stieß ich auf Noten, die mich sofort elektrisierten. Auf dem Deckblatt stand: Christoph Willibald Gluck, «Iphigenia in Aulis», in der Fassung von Richard Wagner. Beim Blättern stellte sich heraus, dass es...

Pionier auf alten Bahnen

Das Schlosstheater in der Schwetzinger Sommerresidenz der pfälzischen Kurfürsten gehört zu den wenigen Theaterbauten des 18. Jahrhunderts, die sich in Deutschland erhalten haben. Im Frühjahr nutzt es der SWR für die von ihm begründeten Schwetzinger Festspiele, im Juli das Nationaltheater Mannheim für den alle zwei Jahre veranstalteten «Mozart-Sommer». In der kalten...