Krieg und Glamour

Das Prager Nationaltheater bringt die erste «Norma» seit sieben Jahrzehnten heraus

Neben den populären Klassikern zwischen «Carmen», «Traviata» und «La Bohème» sind Mozarts «Don Giovanni» und «Titus» – beide in Prag uraufgeführt – und die tschechische Oper Spielplan-Säulen des Narodní Divadlo, des Prager Nationaltheaters. Eine «Norma» hat es da schwer. Zumal die neue Produktion auf der Kippe stand: Daniel Dvorák, der das abstrakte Bühnenbild entworfen hatte, war während der Vorbereitungen als Operndirektor abgesetzt worden.

Die Probenarbeit haben solche Turbulenzen jedoch kaum beeinträchtigt: Bruno Berger-Gorski gelang die überzeugende Deutung einer tragischen, tödlich endenden Liebe aus Sicht der einzig Überlebenden – Adalgisa. Sie sitzt zu Beginn am Flügel und schlägt die Noten zu Bellinis Oper auf; am Ende sucht sie verzweifelt die Noten zu zerreißen – als ob sie damit den doppelten (Liebes-)Tod Normas und Polliones durch Gewehrkugeln in einem Flammenkreis verhindern und den Geliebten wie die Freundin retten könnte.
Dazwischen erzählt Berger-Gorski ein Kriegsdrama: Besatzer verbreiten mit Suchscheinwerfern, Gewehren und Haus­­durchsuchungen Angst und Schre­cken. Norma kann unter diesen Bedingungen die Folgen ihres Fehltritts (sie hat mit dem römischen «Feind» ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2007
Rubrik: Magazin, Seite 32
von Klaus Kalchschmid

Vergriffen
Weitere Beiträge
Zwanghafte Einheit

Was verbindet Othmar Schoecks «Notturno» aus dem Jahr 1933 und Heinrich Sutermeisters einaktige Funk­oper «Die schwarze Spinne» von 1936 miteinander? Die zeitliche Nähe ihrer Entstehung oder die «schweizerische» Herkunft allein kann es ja wohl nicht sein.
Schoecks Gesänge für Bariton und Streicher beschwören, wie fast alle Werke dieses spätgeborenen Romantikers, in...

Zu kurz gegriffen

Was immer man gegen Kirsten Harms, die viel gescholtene Intendantin der Deutschen Oper Berlin, sagen kann: ­Eines sollte man im Auge behalten. Die Deutsche Oper macht einen mutigen und eigenwilligen Spielplan. Wo andere Häuser auf den Barockzug aufspringen, längst entdeckte Meisterwerke «wiederentdecken» oder durch Kompositionsaufträge versuchen, historisch...

Potpourri

James MacMillans zweite Oper spielt mit dem Mythos, doch die Handlung ist in der nahen Zukunft angesiedelt, in einem Schottland oder Britannien, wo Gewalt die Gewalt regiert. Die Führer zweier verfeindeter Parteien wollen Frieden schließen. Eine Bedingung für den Deal: Sian, die Tochter des Generals, heiratet dessen langjährigen Rivalen Mal. Doch Sians früherer...