Krachblechern
Wolfram Koch stakst donquichotesk einher. Er führt seine allenthalben klappernde, raschelnde und knirschende Rüstung spazieren. Stapft und torkelt, stolpert und kriecht – ein krachblecherner König Artus, der England wider die eingefallenen Sachsen verteidigt und deren König Oswald obendrein die schöne, blinde Emmeline wieder abspenstig macht. Aber sie liebt ja sowieso nur ihn.
Wolfram Koch oder Jean-Pierre Cornu, Annika Meier oder Corinna Harfouch (als etwas starr-statischer Zauberer Merlin) – sind wir denn nicht im Zürcher Opernhaus, sondern ein paar hundert Meter bergauf im «Pfauen», dem Zuhause des Schauspiels? Doch, doch, es hat alles seine Richtigkeit. Die Mühe gilt Henry Purcells Semi-Opera «King Arthur», deren Musik (Songs, Tänze, Ensemble-Komplexe) John Drydens Texten die Waage hält, halb Oper halt und halb Sprechtheater. Dessen beträchtlicher Anteil wurde von der Dramaturgin Sabrina Zwach mitunter rechtschaffen schnoddrig eingedeutscht.
Die Musik mischt sich beinahe unauffällig ins angeregte Premierengeplauder, das schon dem Publikum 1691 in Londons Dorset Garden mindestens ebenso wichtig war. Doch Zürichs hauseigenes Spezialensemble La Scintilla erspielt sich unter dem ...
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Opernwelt April 2016
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Heinz W. Koch
Es mag sein, dass diese Frau etwas ganz anderes ist. Keine Untote, die durch die Zeitalter geistert, dabei «Hunderte Kinder» hinterlässt, wie sie selbst behauptet – und fast ebenso viele gebrochene Herzen. Irgendwann steigt Emilia hier die kleine Showtreppe hinauf, breitet den Reifrock aus wie das Gefieder eines prächtigen Vogels, umkränzt von einem Koronagitter....
Sechzehn Tage Vorlauf für ein Rollendebüt: Das braucht Mumm. Den bewies Roberto Alagna, als er jetzt an der Metropolitan Opera als Des Grieux einsprang. Jonas Kaufmann hatte sich zur Wiederaufnahme von Richard Eyres fragwürdiger «Nazi meets film noir»-Version der «Manon Lescaut» krankgemeldet. Alagna glückte trotz eines trockenen Vibratos und hörbarer Anstrengung...
Schon ein Jahr nach der Uraufführung kamen Francis Poulencs «Dialogues des Carmélites» 1958 im Teatro Nacional de São Carlos heraus – zunächst auf Italienisch. 1970 spielte man das Stück dort erstmals in der französischen Originalfassung. Nun, nach 45 Jahren, erfuhr der Dreiakter in Lissabon eine weitere Neudeutung – mit ausnahmslos portugiesischen Sängerinnen und...
