«Komik entsteht über Ernsthaftigkeit»
Herr Kehr, Sie sind seit 1996 für das Musiktheater der Schwetzinger Festspiele verantwortlich und haben dort eine «Schwetzinger Dramaturgie» übernommen, deren Philosophie darin besteht, jeden Sommer zwei Opern, die Ausgrabung eines vergessenen Werks und die Uraufführung eines Auftragswerks, im Schlosstheater zu präsentieren. Wie findet man solche Stücke wie Giovanni Legrenzis «Il Giustino», von dem ja schon 2000 «La divisione del mondo» auf dem Spielplan stand?
Erst einmal muss ich mich gegen den Ausdruck «Ausgrabung» verwahren.
Das klingt eher nach Beerdigungsinstitut. Ich würde lieber «Neuentdeckung» sagen. Wie man dabei vorgeht? Man kennt natürlich die Operngeschichte und hat einen kompetenten Partner in Thomas Hengelbrock, der, wenn er auch nur die Manuskripte sieht, einen untrüglichen Instinkt dafür hat, was in ihnen steckt und was wir, wenn wir ehrlich sind, so gar nicht erkennen würden. Denn diese Stücke werden zum Teil ja für Schwetzingen erfunden. Opernpartituren des 17. Jahrhunderts enthalten meist nur die Melodie- und die Basslinie. Wie man das Continuo aussetzt und ausführt, ist bereits Bestandteil der musikdramaturgischen Arbeit, weil es sich auch an der Art und Weise ...
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Schlüsselerlebnisse hat man merkwürdigerweise oft erst dann, wenn man glaubt, einen Gegenstand oder ein Subjekt in- und auswendig zu kennen. Es war ein Abonnementkonzert des Freiburger Barockorchesters (FBO) in seiner Heimatstadt im Mai 2003. «Späte Klänge» standen auf dem Programm: Arriagas stürmerisch-drängerische frühromantische D-Dur-Sinfonie und Webers...
Schluss jetzt, sagen die beiden leicht zerknitterten Herren auf dem Podium. «Es bleibt dabei, dies wird meine letzte Oper sein», meint der Ältere (82), der Jüngere (63) schließt sich an: «Das tue ich nicht mehr!» Und lächeln einander so verständnisinnig an, als könnten sie wirklich zurückblicken auf ein volles, rundes, von gemeinsamen Premieren gepflastertes...
Schon nach der Veröffentlichung der «Walküre» war die Resonanz spektakulär. Da war von einem «sensationellen Fund» die Rede, von einem «wahren Schatz», von einer «Auferstehung» nach 51 Jahren. «Sei gegrüßt, du herrliches Kind», titelte Wolfram Goertz seine Besprechung in der «Zeit» und schloss mit den Worten: «Über allem wachte Keilberth, der mit dieser Aufnahme...
