König Hans

Die Henze-Biografie von Jens Rosteck entpuppt sich als flotter Unterhaltungsroman

Geht das? Kann man eine Biografie schreiben über einen lebendigen Menschen, den man offenkundig nicht eine Minute lang gesprochen hat? Man kann. Knapp sechshundert Seiten dick ist das Buch, das der Musik- und Literaturwissenschaftler Jens Rosteck verfasst und dem er – warum, entzieht sich unserer Kenntnis – den poetischen Untertitel «Rosen und Revolutionen» gegeben hat. Stoff in Hülle und Fülle ist zwischen die Buchdeckel gepackt; man kennt sich gar nicht mehr aus vor lauter Fakten, Phrasen und Fiktion(en).

Und schreiben kann der Mann, der zuvor schon Doppelbiografien über Lotte Lenya/Kurt Weill sowie über Jane und Paul Bowles verfasst hat (und sich auch an Bob Dylan heranwagte) zweifellos. Leserherz, was begehrst du mehr?
Um dieses Mehr geht es. Damit zugleich um das Problem bei der Causa Henze. Der Komponist selbst, der seit etlichen Jahren seine letzte Oper schreibt (drei ziemlich abschließende Werke der Gattung sind seither entstanden, wir warten gespannt auf das neueste Bühnenwerk) hat sein Leben gleichsam in Stichworten zu Protokoll gegeben: vor allem in seiner Autobiografie («Reiselieder mit böhmischen Quinten») und im Briefwechsel mit Ingeborg Bachmann, seiner jahrelangen ...

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Opernwelt Februar 2010
Rubrik: Medien/Bücher, Seite 37
von Jürgen Otten

Vergriffen
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