Knusper, knusper, Häuschen?
Er müsste schon sehr souverän sein, der Intendant, der als Einstandspremiere «Hänsel und Gretel» ansetzte. Herausforderungen, die theaterpolitisch etwas hermachen, heißen anders: «Ring», «Les Troyens», auch «Moses und Aron». Oder wenigstens «Hoffmanns Erzählungen» und «Freischütz». Allzeit gut figurieren auch kanonische Meisterwerke wie «Don Giovanni» und «Wozzeck». Daneben gibt es Stücke für den Opernalltag; sie machen gut Kasse, bleiben im Spielplan aber eher unscheinbar. «Madama Butterfly» zum Beispiel oder «Rigoletto».
In diese letzte Kategorie fällt auch «Hänsel und Gretel» – das Opernpräsent zur Weihnachtszeit. Es gab Häuser, in denen das Stück vier Jahrzehnte lang in denselben Bühnenbildern arrangiert wurde. Fast erschien es überflüssig, über eine neue Inszenierung nachzudenken. Selbst die Märchenforschung und das veränderte Kinderbild der 1968er schlugen sich in der Aufführungspraxis kaum nieder. Anders als Wagner, Verdi und Mozart zeigte sich die erfolgreiche Humperdinck-Oper interpretationsresistent. Dabei ist sie, kanonisch oder nicht, zweifellos ein Meisterwerk: als reich inspirierter, dabei unprätentiöser Wagner-Nachschlag; als Exempel feinsinnig-tüftliger ...
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Opernwelt Dezember 2014
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Hans-Klaus Jungheinrich
Wer Thomas Hampson mag, wird ihn nach der Lektüre dieser Biografie noch sympathischer finden, diesen all-American boy aus Washington State, Jahrgang 1955. Hampsons Vater war Nuklearchemiker, Mitglied der Siebenten-Tags-Adventisten und der Held seiner Kindheit. Als Schüler lernt er Trompete, Schlagzeug, Tuba, erhält Gesangsunterricht bei einer Nonne, entscheidet...
Es ist Oktober. Festivalzeit im irischen Küstenörtchen Wexford. In den Pubs plaudern Herren in black tie und Damen in Abendrobe mit Locals in Jogginghosen. Der Wind saugt die letzten Blätter aus dem kleinen Hain, den Opernenthusiasten auf der Ferrybank gepflanzt haben – ein Bäumchen für jedes neue Stück – und weht waagerechte Regenfäden über den River Slaney....
Als luxuriöses Dekor der Intimität setzt Erich Wolfgang Korngold das Orchester in seiner Oper «Die tote Stadt» ein. Der sagenhafte Erfolg dieses Stücks, das schon ein Jahr nach seiner deutschen Uraufführung – am 4. Dezember 1920 – an der Met in New York herauskam, liegt vor allem darin, den Ersten Weltkrieg nicht als Bruch mit der opulenten Lyrik des deutschen Fin...
