Knusper, knusper, Häuschen?

Humperdincks Märchenoper «Hänsel und Gretel» hat es in sich: Deutungsversuche in Frankfurt, Augsburg und Nürnberg

Er müsste schon sehr souverän sein, der Intendant, der als Einstandspremiere «Hänsel und Gretel» ansetzte. Herausforderungen, die theaterpolitisch etwas hermachen, heißen anders: «Ring», «Les Troyens», auch «Moses und Aron». Oder wenigstens «Hoffmanns Erzählungen» und «Freischütz». Allzeit gut figurieren auch kanonische Meisterwerke wie «Don Giovanni» und «Wozzeck». Daneben gibt es Stücke für den Opernalltag; sie machen gut Kasse, bleiben im Spielplan aber eher unscheinbar. «Madama Butterfly» zum Beispiel oder «Rigoletto».



In diese letzte Kategorie fällt auch «Hänsel und Gretel» – das Opernpräsent zur Weihnachtszeit. Es gab Häuser, in denen das Stück vier Jahrzehnte lang in denselben Bühnenbildern arrangiert wurde. Fast erschien es überflüssig, über eine neue Inszenierung nachzudenken. Selbst die Märchenforschung und das veränderte Kinderbild der 1968er schlugen sich in der Aufführungspraxis kaum nieder. Anders als Wagner, Verdi und Mozart zeigte sich die erfolgreiche Humperdinck-Oper interpretationsresistent. Dabei ist sie, kanonisch oder nicht, zweifellos ein Meisterwerk: als reich inspirierter, dabei unprätentiöser Wagner-Nachschlag; als Exempel feinsinnig-tüftliger ...

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Opernwelt Dezember 2014
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Hans-Klaus Jungheinrich

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