Klug inszenierte Kopfgeburt

Wiederbelebt in Weimar:  «Alceste» von Christoph Martin ­Wieland und Anton Schweitzer

In neuem Glanz erstrahlt die Anna-Amalia-Bibliothek, fast vergessen ist die horrible Brandnacht von vor drei Jahren. Anlässlich der Wiedereröffnung, deren Datum nicht zufällig mit dem Geburtstag der kunstsinnigen Herzogin von Braunschweig-Wolfenbüttel zusammenfiel, machte die Klassik-Stiftung einige Extra-Euros locker, um in würdevollem Rahmen der Regentin und ihrer Liebe zu Musik und Büchern zu gedenken.


Manfred Trojahn durfte mit seinem einstündigen Auftragswerk «Lettera amorosa» den Rokokosaal der Bibliothek auf gleich drei Ebenen bespielen, sechs Streicher und zwei Soprane verbreiteten wundersame Sphärenklänge, hauchten sich verzückt Liebesbriefe von Michelangelo und Rilke zu.
Tags zuvor erlebte eine Rarität ihre Wiederaufführung nach rund 240 Jahren: Christoph Martin Wielands und Anton Schweitzers Oper «Alceste». Dass es sich eingebürgert hat, den berühmten Dichter und Intellektuellen zuerst zu nennen, wird der Sache nicht ganz gerecht, denn Wielands Bearbeitung respektive Eindampfung der euripideischen Vorlage wirkt reichlich seltsam. Neben der sich für den todgeweihten Ehemann Admet opfernden Alceste treten ihre (von Wieland hinzuerfundene) Schwester Parthenia sowie der ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2007
Rubrik: Magazin, Seite 28
von Jörn Florian Fuch

Vergriffen
Weitere Beiträge
Humperdinck: Königskinder (A. Jordan)

Der Mitschnitt einer konzertanten Aufführung der ­«Königskinder» vom Juli 2005 aus Montpellier ist wohl eine der letzten Aufnahmen des am 20. September 2006 gestorbenen Armin Jordan, der ursprünglich auch die neue Zürcher Produktion dirigieren sollte. Seine Opern-Diskografie ist schmal. Immerhin sind auf CD ­erschienen: «Pelléas et Mélisande» (1981), «Le Roi...

Kraft der Persönlichkeit

Es war ein leiser Abschied. Nicht einmal Verehrer wussten davon. Ende 2003 zog sich Julia Varady vom Podium zurück. Auf der Opernbühne war sie schon Jahre zuvor nicht mehr aufgetreten. Nach vierzig Jahren öffentlichen Singens wollte sie sich aufs Unterrichten konzentrieren. In Frankreich warfen ihr die Zeitungen Blumen hinterher, in Deutschlands Musikszene wurde...

Mittelklasse

«It contains nudity», warnt das Cover auf der DVD-Ersteinspielung der fragmentarisch überlieferten Vivaldi-Oper «Ercole su’l Termo­donte». Tatsächlich ließ der amerikanische Bühnenbildner/Regisseur John Pascoe den attraktiven, wenn auch keineswegs herku­lischen Titelhelden der Ausgrabung beim Spoleto-Festival (siehe OW 9-10/2006) antik auftreten: nackt mit...