Kleine Sprünge
«Ich will lieben, aber um zu genießen, / ich rühme mich nicht, beständig zu sein»: So klingt ein Don Giovanni des Jahres 1680, auch wenn er Lindoro heißt. Tatsächlich hat Bernardo Pasquinis für Rom komponierte Oper «L’Idalma overo Chi dura la vince» denselben Ursprung in der spanischen Mantel-und-Degen-Komödie wie Mozarts Oper. Die Männer sehen ebenso ihre Ehre durch den chronischen Schwerenöter verletzt, und die weibliche Titelfigur will ihn ebenso unerbittlich in die eingegangene Ehe zwingen wie einhundert Jahre später Elvira.
Nur, dass sie im Gegensatz zu dieser am Ende Erfolg hat – was die Sache mindestens aus Gegenwartsperspektive um einiges läppischer macht. «Wer aushält, gewinnt», der Stückuntertitel gilt bei den Innsbrucker Festwochen der Alten Musik auch fürs Publikum, denn das üppige, an äußerer Handlung arme Libretto verliert sich zwischen diversen Paaren in verständniserschwerender barocker Liebesrabulistik. In der Tradition der frühen Oper vertont es Pasquini ganz aus der Rhetorik der Sprache, während die ariosen Formen noch offen sind, oft von folkloristischer Schlichtheit leben, insgesamt aber nicht von großer melodischer Erfindungsgabe zeugen.
Vielleicht ist es ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt November 2021
Rubrik: Magazin, Seite 73
von Michael Stallknecht
Fast zeitgleich donnern auf vier Berliner Bühnenbretter die Schicksalsschläge der griechischen Tragödie: Ödipus’ Verhängnis. Und keine Spielplanpanne: Zwei Schauspiel- und zwei Opernhäuser der Hauptstadt nutzen die Mythensaga, das Lebensdrama des unschuldig-schuldigen Mannes, punktgenau zur Saisoneröffnung. Da entsteht die Frage: Ist das Theatertrauerspiel für...
Die Eröffnung eines Festivals setzt vor allem Zeichen für die Zukunft. Und da zählen auch die kleinen Gesten. Sie erzählen von Visionen, deuten dramaturgische Linien an. Dies gilt insbesondere immer dann, wenn, wie im selbst Mitte September noch sommerlichen Venedig, ein Leitungswechsel vollzogen wird. Lucia Ronchetti heißt die neue Chefin der Biennale Musica. Und...
Herr Bernheim, wie würden Sie den Stimmtyp «französischer Tenor» beschreiben? Oder existiert so etwas gar nicht?
Ich glaube, es ist ein Klischee – oder eine Marketingmaßnahme. Wenn etwas typisch sein könnte, dann vielleicht die Farbe. Dieses Silbrige. Anders als die eher goldenen italienischen Stimmen. Man kann es auch über die Komponisten definieren: Französische...
