Klangereignis

Genf, Korngold: Die tote Stadt

Opernwelt - Logo

Das Bühnenbild von Hans Dieter Schaal spielt auf höchst originelle Art mit der Doppelbödigkeit des Stoffs: Die linke Bühnenhälfte zeigt mehrfache Verglasung und ein blendend weißes Stiegenhaus. Das Innere eines modernen Gebäudes, einer psychiatrischen Klinik vielleicht. Rechts hat Paul, die Hauptfigur, in seiner fetischistischen Trauer um seine verstorbene Frau einen Erinnerungstempel eingerichtet, der, mit Halbbogensäule und schwerem rotem Vorhang, an eine Theaterbühne erinnert.
Regisseur Nicolas Brieger deutet Pauls Wahnvisionen ganz in C. G.

Jung’scher Manier als psychischen Defekt, als Schizophrenie. Immer wieder bevölkern gesichtslose blasse Figuren Pauls Traum oder eben seinen Wahn. Diese Interpretation mag einem Trend folgen, aber sie ist schlüssig, und die Bilder wirken nachhaltig. Ein häufig aktiviertes szenisches Element ist eine Filmkamera auf der Vorderbühne, mit der Paul Stummfilmsequenzen seiner Verstorbenen vorführt – eine Anspielung auf Korngolds spätere Karriere als Filmmusikkomponist?
Ob Paul am Ende von seinem Wahn geheilt ist, wie dies in allen Handlungsresümees behauptet wird, darüber lässt sich streiten. Nicolas Brieger hat das in seiner Genfer Inszenierung ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juni 2006
Rubrik: Panorama, Seite 45
von Hanspeter Renggli

Vergriffen
Weitere Beiträge
Haydn: L'incontro improvviso

Rezia, von Piraten geraubt und in ein Serail verkauft, widersteht dem Liebeswerben des Sultans von Kairo. Ali spürt die Geliebte auf. Die Entführung misslingt, doch der aufgeklärte Fürst stellt das Wohl der Untergebenen über seinen Egoismus. Kommt einem bekannt vor. Unter dem Titel «Die Enführung aus dem Serail» versucht die Musikakademie Rheinsberg das Publikum...

Schneider: Fürst Pückler

Viele Theaterleute, die neu in eine Stadt kommen, erklären, sie wollten Theater für die Stadt machen. Dann aber fahren sie mit ihrem «Machen» so fort, wie sie davor andernorts aufgehört haben. In Görlitz entwickelte man ein anderes Sys­tem. Man schaute in die Geschichtsbü­cher, studierte, wer alles in der Historie der Stadt und Region gewirkt hat und be­rühmt...

Risse in Mozarts Balken

«Die Rezitative sind zwar musikalisch nicht außergewöhnlich, literarisch sind sie aber von erster Güte. Auch nur ein Wort zu streichen, wäre ein barbarischer Akt. Die musikalischen Schwächen können durch einen vollendeten Vortrag wettgemacht oder durch ‹Retuschen› behoben werden. Die ers­tere – eine Notwendigkeit – ist Aufgabe der Sänger, die zweite – eine...