Klamauk und Poesie

München, Bayerische Staatsoper, Donizetti: L’elisir d’amore

Womöglich hatte er im Juli 2009 auf den Festspiel-«Lohengrin» gehofft. Oder auf seine erste, programmatisch so aufgeplusterte Premiere mit «Macbeth» im Oktober 2008. Oder auf den dann heftig umstrittenen «Don Giovanni». Aber ausgerechnet «L'elisir d'amore», ausgerechnet Donizettis Buffa avancierte zum bislang größten Publikumserfolg in der noch jungen Ära von Intendant Nikolaus Bachler.

Die Premierengemeinde im Münchner Nationaltheater raste, und die Bedenkenträger zogen spaßbremsend sämtliche zur Verfügung stehenden Augenbrauen nach oben: Damit soll Bayerns Staatsoper bestehen? Sie tut es. Weil mit Schauspielmann David Bösch ein viel versprechender Regisseur reüssierte.

Dass der «Liebestrank» nicht «Così fan tutte» ist und kein Übermaß an Bedeutungsebenen verträgt, hat der 31-Jährige im Gegensatz zu manch anderem verstanden. Und wie man Humor wirksam auf die Bühne bringt, ebenso. Entscheidend ist in dieser Aufführung, dass sich ein Stück, dem gern das Etikett «Leichtgewicht» aufgeklebt wird, als berührende Tragikomödie entpuppt. Bösch erdet den «Liebestrank» in einer ärmlichen Nachkriegswüstenei à la Fellini, in der Dulcamara mit einer gigantischen, Raumschiffgleichen Wunderkugel ...

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Opernwelt Februar 2010
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Markus Thiel

Vergriffen
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