Kinder, macht Neues

Mannheim, Wagner: Die Meistersinger von Nürnberg

Wagners politisch vorbelastete Oper von der Utopie einer ästhetischen Selbstregierung des Volkes stellt für jeden Regisseur eine so verlockende wie schwierige Aufgabe dar – wie schwierig, hat Jens-Daniel Herzog zu spüren bekommen, als ihm am Ende seiner Mannheimer Inszenierung ein wahrer Buhsturm entgegenschlug. Dabei hat er den Knoten geradezu genial ge­löst und die Wunden des Stückes offen gelegt, indem er die Handlung ganz ins Heute rückt, ohne aber – wie oft geschehen – Nachhilfeunterricht in deutscher Geschichte zu geben.

So einsehbar nüchtern wie der helle Einheitsraum, den Mathis Neidhardt schuf, war das frische, lebendige Spiel und ließ doch selbst in der bitter karikierenden Zuspitzung noch jene Menschlichkeit durchschimmern, zu der Wagner hier findet.
Bei Herzog ist der verarmte Ritter Walther von Stolzing ein leicht in die Jahre gekommener Rocker, der verständlicherweise das Herz des properen Bürgertöchterleins Eva im Sturm erobert. Unterstützung findet er bei Nürnbergs Jugend, die im nächtlichen Aufruhr als Ausstellungsstücke in Ehren gehaltene Preziosen der Meistersingerzunft von den Podesten stürzt. Dass im Kostümfest des Finales, nach Walthers erfolgreich absolviertem ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2008
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Uwe Schweikert

Vergriffen
Weitere Beiträge
Wahnsinn

Ihren größten Trumpf spart sich Joyce DiDonato ganz bis zum Schluss auf: Mit Dejaniras Wahnsinnszene «Where shall I fly» aus dem Oratorium «Hercules» schließt sie ihr ers­tes Solorecital bei Virgin ab. Eine kluge Entscheidung, denn in dieser Partie ist die Amerikanerin tatsächlich konkurrenzlos: Dass die gattenmordende Königin nach ihrer eigenen Einschätzung der...

Karthago liegt gegenüber

Marseille will das städtische Kulturleben verstärkt auf Fragen und Themen des Mittelmeerraums ausrichten. Die Orientierung am mediterranen Raum dürfte auch das Programm der «Europäischen Kulturhauptstadt» prägen – 2013 wird die südfranzösische Metropole den Titel gemeinsam mit dem slowakischen Kosice tragen. Schon jetzt stimmt man sich auf die Aufgabe ein: Das...

Glitzerlametta

In seiner mit Spannung erwarteten Stuttgarter Inszenierung hat Karsten Wiegand Verdis «Aida», man kann es nicht anders sagen, in den Sand gesetzt. Er ließ sich von Bärbl Hohmann einen goldglänzenden Kasten auf die Bühne wuchten: Antichambre für die wartende Priester- und Hofkamarilla einer totalitären Diktatur, auswegloses Gefängnis für drei junge Menschen – Aida,...