Kennen Sie Méhul?
Kennen Sie Méhul? Vor hundert Jahren hätte sich auch im deutschsprachigen Raum jeder Opernliebhaber an die biblische Oper «Joseph» erinnert; noch 1920 richtete Richard Strauss höchstpersönlich diese Partitur aus dem Jahr 1807 für die Dresdner Staatsoper ein. Das erfolgreichste Werk des aus dem französisch-belgischen Grenzgebiet stammenden Komponisten liegt seit 1989 in einem (wenn auch wenig befriedigenden) CD-Mitschnitt aus Compiègne vor, mit der damals noch völlig unbekannten Natalie Dessay.
Wenn die Stiftung Palazzetto Bru Zane nun eine andere Oper Méhuls auf den Markt bringt, können nicht einmal Spezialisten die Frage «Kennen Sie Adrien?» mit Ja beantworten. Freilich: Die Entdeckung lohnt! Das ist vor allem das Verdienst des Budapester Orfeo Orchestra mit Simon Standage, dem Weggefährten von Trevor Pinnock, Christopher Hogwood und Richard Hickox als Konzertmeister. Unter dem Dirigenten György Vashegyi kommen die noch von Berlioz gerühmten «seinerzeit völlig unbekannten Effekte» in Méhuls Orchestersatz voll zur Geltung. In der bereits 1791 fertiggestellten, aber erst im Dezember 1799 uraufgeführten Partitur überrascht nicht nur die Ouvertüre immer wieder mit unerwarteten ...
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Opernwelt September/Oktober 2015
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 44
von Anselm Gerhard
Fünf Holzstühle, vorn rechts. Fünf Grablichter. Vor jedem Stuhl eines. Sonst ist nichts zu sehen, wenn zu Beginn des dritten Aufzugs die Streicher trauertrunken, «mäßig bewegt», in sehrendem Klageton verkünden, dass dem liebesglühend-todessüchtigen Paar auf Erden wohl nicht mehr zu helfen ist. Kareol liegt im Dunkel. Im opaken Dunst eines Nirgendwo. Zum leeren...
Man sagt ja, Kriminelle kehren immer an den Ort ihres Verbrechens zurück. Wie jemand so blöd sein kann, war mir zwar immer schleierhaft. Aber es stimmt. Gilt auch für mich. Das muss ich jetzt einsehen. Offenbar ist mein krimineller Instinkt bloß ein bisschen lahm – ich habe mir 24 Jahre Zeit gelassen, bevor ich wieder in Aix aufschlug.
Als wir 1991 mit Brittens...
Werktreue. Meist kursiert das Wort als Kampfbegriff. Wer es im Schilde führt, spielt sich gern als Retter auf. Des Wahren, Schönen und Guten. Der hohen Kunst und des reinen, einzigen Schöpferwillens. Der alten Theatertugenden. Wie stumpfes, schmutziges Glas sollen sie an diesem Panzer zerschellen, die Zumutungen, Bilder, Fragen der Gegenwart. Heute war gestern.
So...
