«Keine Panik»

Pünktlich zu seinem Bayreuth-Debüt erschien die erste Biografie über Jonas Kaufmann. Das Buch ist mehr als eine PR-Nummer

Opernwelt - Logo

Wenn Leute, die gerade mal die 40er-Stufe auf der Altersleiter überklettert haben, eine Biografie veröffentlichen oder veröffentlichen lassen, ist das immer heikel. Die ersten Lebensbücher über Anna Netrebko waren so nährstoffreich wie ein labbriger Schokoriegel; um einiges besser geriet das erste Buch über Rolando Villazón, nun ist also Kaufmann an der Reihe. Schnell ist klar: Dieses 170-Seiten-Bändchen ist ein Gewinn. Dass die Gastbeiträge von Sänger-Kollegen und -Kolleginnen zu Lobeshymnen geraten – mit Ausnahme einer dezenten Mahnung von Christa Ludwig –, durfte man erwarten.

Sie werfen ohnehin nur ein Teillicht auf den aus München stammenden Tenor. Deutlich gewichtiger etwa, wenn Jürgen Kesting gebeten wird, sich kritisch zu äußern, und dieser nicht zu bang ist, auch Schwachpunkte – etwa Probleme bei schroffen dynamischen Übergängen – zu benennen.

Was diesen Band so kurzweilig macht und vor allem den Menschen Kaufmann immer wieder in den Fokus rückt, ist der Wechsel zwischen berichtenden, resümierenden Kapiteln und der Interview-Form. Autor Thomas Voigt hat mit seinem Frage-Antwort-Spiel schon mehrfach Erfolg gehabt und beispielsweise in seinem Band über Martha Mödl gezeigt, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt September/Oktober 2010
Rubrik: Medien | Bücher, Seite 48
von Christoph Vratz

Vergriffen
Weitere Beiträge
Mehr als eine Kuriosität

Franco Leonis nachveristischer Einakter «L’oracolo», der 1905 in London seine Uraufführung erlebte, hatte durch den Einsatz des Baritons Antonio Scotti zunächst einen Langzeiterfolg an der New Yorker Met, verschwand nach dessen Bühnenabschied aber für Jahrzehnte in der Versenkung. Auch eine verdienstvolle Schallplattenproduktion der Decca (1975) unter Richard...

Schwanken darf sein

Flügelhelm gerade gerückt, Speer herausgestreckt, dann energisch aufs Opfer zugeschritten: «Hojotoho», entfährt es der aufstampfenden Aminta. Sir Morosus zuckt zusammen. Was natürlich alles nicht in der Partitur steht. Ebenso wenig wie Amintas sieben Monate währende Schwangerschaft. Doch eine vorgeblich Schüchterne, die auch noch anderes in die fingierte Ehe...

Schöpferisch konzeptionell

In Berlin verstarb der Bühnenbildner Reinhart Zimmermann, jahrzehntelang Ausstattungsleiter der Komischen Oper als Nachfolger Rudolf Heinrichs, dessen Assistent er gewesen war. Er hat unser
Musiktheater wesentlich mitgeprägt, in Zusammenarbeit mit Walter Felsenstein, Götz Friedrich, Michael Heinicke, Harry Kupfer, mir und anderen.

Als Rudolf Heinrich uns nach der...