Kein Strahlemann
Zum Beispiel die Taube. Im Augenblick des Herniedersteigens vom Himmel als simples e in höherer Butterlage festgehalten. Gern genutzt für die Beweisführung in Sachen Pianissimo-Kultur und Atemtechnik, dabei schier endlos gedehnt. William Cochran singt über die Stelle nicht unbedingt hinweg, aber: kein Ausstellen von Tönen oder Phrasen, kein Entzücken an der eigenen Stimm-Potenz. Cochran nimmt Lohengrins Hit als das, was er in Wahrheit ist – eine Erzählung, eng orientiert an Wortbedeutung und Textrhythmus, wenn auch ein Stück weit entrückt vom Rest der Wagner’schen Partitur.
Ein typischer Moment für den US-Amerikaner, dem es ernst war. Und das betraf weniger sein Ego als seine Figuren.
Auch deshalb lässt sich die Kunst dieses Tenors nicht allein unter vokalen Gesichtspunkten bewerten. Seine Figuren-Deutungen hatten etwas Umfassendes, zutiefst Seriöses, Uneitles. Cochran gab sich offen, signalisierte Formbarkeit und Flexibilität, ohne seine eigenen Vorstellungen zu stark zurückzunehmen. Auch deshalb passte er perfekt ins Frankfurter Ensemble. Zu dessen Hochzeiten war er dort im besten Sinne der Heldentenor vom Dienst. Gipfelpunkt war sein Siegfried im legendären «Ring» von Ruth ...
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Opernwelt März 2022
Rubrik: Magazin, Seite 77
von Markus Thiel
Eigentlich liegt die Frage auf der Hand: Was passiert, nachdem der Vorhang gefallen ist? Wie wird Rigoletto damit umgehen, dass ihm das einzig verbliebene Glück geraubt wurde? Die famos-furiose «Rigoletto»-Inszenierung an der Oper Halle setzt hier an – im Danach. Der traurige Titelheld ist traumatisiert vom Blick in den Leichensack, vom Blick auf seine ermordete...
Beinahe wäre hier eine zeitlose Inszenierung gelungen: keine Soldateska, keine Blutorgien, kein Sado-Sex in Unterwäsche. Aber so reaktionär wollte der Regisseur dann doch nicht sein, weswegen zumindest etwas Hospitalisierung geboten wird. Krankenhausbetten gehörten schon vor der Pandemie auf jede halbwegs anständige Bühne, Damiano Michieletto selbst benutzte diese...
JUBILARE
Jane Henschel absolvierte ihr Gesangsstudium an der University of Southern California. Erste Opernengagements führten sie 1978 nach Deutschland, sie trat in Aachen, Wuppertal, Dortmund und an der Deutschen Oper am Rhein auf. Zahlreiche Gastspiele machten die Mezzosopranistin ab Ende der 1980er-Jahre in der ganzen Welt bekannt, umjubelt etwa als Amneris,...
