Karajan contra Böhm
Als «das größte gesellschaftliche Ereignis seit der englischen Krönung» wurde die Wiedereröffnung der im Krieg zerstörten Wiener Staatsoper von Publikum und Presse wahrgenommen. Prominenz aus aller Welt war angereist, und das noch in den Kinderschuhen steckende Fernsehen übertrug live, als am 5. November 1955 im neu aufgebauten Theater der Vorhang zum «Fidelio» aufging. Das heute legendäre Wiener Nachkriegs-Ensemble stand auf der Bühne, Karl Böhm, damals Direktor des Hauses, dirigierte.
Auf das «Wiener Opernfest» (sechs weitere Premieren gab es in den nächsten Wochen) folgte bald der große Kater. Schon im Jahr darauf musste Böhm demissionieren und wurde durch Herbert von Karajan ersetzt, der das Haus umkrempelte, auf internationalen Glamour setzte und bewährte Hausgrößen auf die Seite schob. Er kam später mit einem «Fidelio» heraus, den er zuvor in Salzburg und Mailand mit Erfolg dirigiert hatte. Etwa zeitgleich sind jetzt Böhms Wiener und Karajans Mailänder Produktion auf CD erschienen. Ein Vergleich drängt sich auf.
Für Böhm war Beethovens Oper, die ihn sein ganzes Leben begleitet hat, immer eine Herzenssache. Bei dieser Gelegenheit zeigt er sich, wohl auch der Feierlichkeit des ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt April 2011
Rubrik: Medien/CDs, Seite 27
von Ekkehard Pluta
Normalerweise stehen Nachrufe im Magazin-Teil der «Opernwelt». Wenn sie auf Seite 1 auftauchen, hat das Gründe. So wie jetzt, wo wir an Claus Helmut Drese und Wolfram Schwinger erinnern: zwei Opernchefs von Format, die wenige Tage hintereinander im Februar 2011 gestorben sind; zwei Integrationsfiguren, die ihren Häusern neues Profil gaben, ohne sich dabei in den...
Das Ufer des Vierwaldstättersees gehört zu den begehrtesten Wohnlagen der Schweiz. In den steuergünstigen Gemeinden lebt, wer es sich leisten kann, in teuren Luxuswohnungen oder Anwesen mit direktem Seezugang. Hierher, also in die unmittelbare Nachbarschaft, verlegen am Theater Luzern der Regisseur Tobias Kratzer und der Ausstatter Rainer Sellmaier, Gewinner des...
Längst hat die Musikwissenschaft das Musiktheater der Gegenwart als lohnendes Forschungsobjekt entdeckt. Das umfangreiche Buch von Claudia di Luzio ist schon die zweite Dissertation zu den Bühnenwerken von Luciano Berio (nach Ute Brüdermann, «Das Musiktheater von Luciano Berio», Frankfurt/M., Peter Lang 2007). Beide Autorinnen haben wesentlich dieselben Quellen...
