Kapitalsünden
Martin Shkreli – laut BBC der meistgehasste Mann der USA, stets mit einem schmierigen Lächeln im Bubengesicht – pries kürzlich vor Gericht den Turbokapitalismus: «In dem System, in dem wir leben, musst du alles in deiner Macht Stehende tun, um den Gewinn zu maximieren. Das ist Business. Da kannst du keine halben Sachen machen ...». Shkrelis Pharmafirma hatte den Preis eines für viele Menschen wichtigen Medikaments von 13,50 auf über 700 Dollar angehoben.
Gier, englisch «greed», war immer schon einer der wichtigsten Antriebe des Menschen, in Verbindung mit Geiz als «Avaritia» zugleich eine der sieben großen Verfehlungen, die der Volksmund Tod-, der Theologe Kapitalsünden nennt (wobei es von Letzteren zum Kapitalismus zumindest etymologisch nicht weit wäre). «Greed» hieß auch Erich von Stroheims Stummfilm nach dem Roman «McTeague» (1899) von Frank Norris. William Bolcom (*1938) ließ sich darauf ein, den Figuren eine Singstimme zu geben: Er komponierte eine nach Norris’ Buch benannte Gier-nach-Gold-Oper, die 1992 in Chicago herauskam und nun in Linz ihre europäische Erstaufführung erlebte. Das Stück entwirft ein Sittenbild aus amerikanisch-kapitalistischen Frühzeiten, und zwar am ...
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Opernwelt April 2016
Rubrik: Panorama, Seite 38
von Gerhard Persché
Wand an Wand, direkter geht Konkurrenz nicht in der Royal Arcade mit ihrem weißen, viktorianischen Holzstuckwerk. Links, bei «Rino and Company», bekommt es der Herr für 15 Pfund gemacht, die Dame – Waschen, Schneiden, Legen – für 28,99. Kein Mensch da, die beiden Friseurinnen schauen gelangweilt durchs Schaufenster nach draußen. Vielleicht, weil beim Kollegen...
Mozart und die Familie Weber – das Thema fasziniert seit jeher vor allem die populärwissenschaftliche Mozart-Literatur. Mit Aloysia Weber verband Mozart eine
Jugendliebe, Constanze Weber wurde seine Frau, Josepha Weber, verheiratete Hofer, war die erste Königin der Nacht. Alle drei Frauen hinterließen Spuren nicht nur in Mozarts Leben, sondern auch in seinem Werk....
Sechzehn Tage Vorlauf für ein Rollendebüt: Das braucht Mumm. Den bewies Roberto Alagna, als er jetzt an der Metropolitan Opera als Des Grieux einsprang. Jonas Kaufmann hatte sich zur Wiederaufnahme von Richard Eyres fragwürdiger «Nazi meets film noir»-Version der «Manon Lescaut» krankgemeldet. Alagna glückte trotz eines trockenen Vibratos und hörbarer Anstrengung...
