Kantig, kühl, kraftvoll
Das Theater Regensburg sei «einer der sichersten Räume der Stadt», verkündet die Stimme vom Band, bis zu zweieinhalb Mal pro Stunde werde im Zuschauerraum die Luft ausgetauscht. Nicht ganz so sicher ist es anscheinend auf der Bühne, wo sich schon während der Ouvertüre ein achtköpfiges Tänzerensemble erschießt, erhängt oder Gift schluckt. Keine Frage, Werther, der Titelheld von Jules Massenets Oper, eilt in der Inszenierung von Nurkan Erpulat von Beginn an dem Ende entgegen, wofür die Liebe zu Charlotte fast mehr Anlass als Ursache scheint.
Wohl deshalb hat Erpulat die Szene am Ende des dritten Akts gestrichen, in der Charlottes Ehemann Albert seinem Rivalen die verlangten Pistolen schicken lässt.
Musikalisch sind solche Striche ärgerlich. Und dieser wäre für die Konzeption nicht mal nötig, weil Albert Werthers Selbstmord schließlich nicht herbeiführt, er beschleunigt ihn höchstens. Daran merkt man, dass Erpulat bislang als Schauspielregisseur sehr erfolgreich ist, in Regensburg aber zum ersten Mal Oper inszeniert. Dabei hat er merklich Lust, die Geschichte zu erzählen, was er mit einfachen, offen ausgestellten Theatermitteln tut. Im leeren Bühnenhaus stehen nur ein Flügel und ein ...
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Opernwelt Dezember 2021
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Michael Stallknecht
«Perché il mio canto s’attrista – Warum wird mein Gesang traurig, ich habe ich nie gehört, wie ist er in mich geraten?», singt der Chor im Zentrum von Salvatore Sciarrinos jüngster Oper – da ist das grausame Schuld- und Sühne-Spektakel schon im vollen Gange. «Ich beweine dieses Haus, dem der Untergang droht», klagt am Beginn der Wachposten auf einem in schwarzer...
Die Verwirrungen der Liebe, sie sind enorm in diesem Stück. Doch der moralische Kommentar der Autoren bleibt aus. Nur der kleine Satyr kommentiert das Geschehen mit verschmitzter Außensicht: «Pazzi quei, ch’in Amor credono». Sind nicht all jene, die Amor vertrauen, Verrückte? Vermutlich schon. Und insbesondere die Frauen bekommen ihr Fett ab. «Così fan tutte» wird...
Herr Bauer Kanabas, Sie scheinen auf Könige abonniert zu sein: Sie sind Marke im «Tristan», Philipp II. in «Don Carlo», Heinrich im «Lohengrin», auch René in «Iolanta» oder Herzog Blaubart. Liegen Ihnen die Herrscher stimmlich besonders gut, oder ist das eher eine emotionale Sache?
Das trifft beides zu! Ich sehe mich als Basso cantante: Die Königsrollen brauchen...
