Kampf und Krampf
Es dauert nicht lange, da serviert Calixto Bieito im Basler Theater den ersten Schocker. Ramfis (mit eindrucksvollem Oberkörper und kräftigem Bass: Daniel Golossov), ganzkörperbemalt als eine Art Fußballkrieger, hat ein aufgeschlitztes Reh dabei und wühlt in den blutigen Eingeweiden, während er die Schnauze küsst. Ein Priester in Soutane führt ein Kind an der Hundeleine über die Bühne. Es wird leidenschaftlich gefummelt und gequält. Es ist wie immer, wenn der katalanische Regisseur eine Oper inszeniert. Menschen werden zu Tieren.
Figuren müssen sterben, auch wenn sie sich im Libretto bester Gesundheit erfreuen. In Basel wird die Königstochter Amneris von einem Schweizer Grenzwächter erstochen. Am Ende, wenn Aida und Radamès im Grab dem Tod entgegensehen, darf die rasend Eifersüchtige dennoch ihre Friedenswünsche singen. Dem zarten, lyrischen Beginn der Oper schaltet Bieito den Chor «Gloria all’Egitto» («Ruhm sei Ägypten») aus dem zweiten Akt vor. Die Fanatisierung der Masse interessiert ihn.
Bieito liegt mit seinem desillusionierenden Blick auf den Publikumsrenner «Aida» gar nicht so falsch. Man kann die Jubelgesänge der Ägypter durchaus als martialisches Kriegsgeschrei hören. Auch ...
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Wenn die Dinge, das Denken und das Fühlen nur noch unterwegs sind, wenn sie keinen Halt mehr kennen, der die Bewegung unterbrechen, ihr Maß, Rhythmus und Sinn verleiht, wächst die Sehnsucht nach dem, was Ernst Bloch mit dem Wort «Heimat» meinte – die Utopie des mit sich und der Welt versöhnten Menschen. Je reißender, unüberschaubarer der Strom des beschleunigten...
Deutschen Opernfreunden sagt der Name Lotfi Mansouri möglicherweise wenig. Zwar begann er seine Laufbahn als Regisseur im deutschsprachigen Raum und hat in den sechziger und siebziger Jahren auch in Dortmund, Freiburg, Heidelberg, Kassel und Nürnberg inszeniert, doch zu Macht und Ansehen gelangte er erst in Amerika, zunächst als Generaldirektor der Canadian Opera...
«Es ist doch lange hergebracht, dass in der großen Welt man kleine Welten macht», sagt Mephistopheles in der Walpurgisnacht-Szene von Goethes «Faust». Ob Balázs Kovalik, Regisseur von Arrigo Boitos Goethe-Konzentrat «Mefistofele» (mit der Premiere im September an der Budapester Staatsoper), diesen Satz vor Augen hatte, als er den Titelhelden sich beim Hexensabbat...
