Kammerspiel

Auch abseits der Semperoper feiert Sachsen das Strauss-Jahr – zum Beispiel mit «Ariadne auf Naxos» in Radebeul und dem «Rosenkavalier» in Döbeln

Dresden, die Strauss-Stadt. «Feuersnot», «Elektra», «Salome», «Der Rosenkavalier» – sie alle sind hier uraufgeführt worden. Dirigiert von Ernst von Schuch, Strauss’ Leib- und Seelendirigent. Schuch hatte ein Haus zehn Kilometer abseits der Semperoper, in Radebeul, zwischen Weinbergen und Elbstrom. Gleich neben dem Gasthof Goldene Weintraube. Heute steht hier das Stammhaus der Sächsischen Landesbühnen. Stolz ist man auf diese Nähe zu dem großen Herrn, das zeigt eine Ausstellung im Foyer, stolz auch auf Strauss.

Im Jubiläumsjahr gibt es eine «Ariadne auf Naxos», schnörkellos erzählt von Annette Jahns. Ein Saal mit menschlichen Maßen, zeigt sich, ist der Sache dienlich: Niemand muss brüllen, man versteht jedes Wort. Es zeigt sich auch, dass ein Haus wie dieses die kleinen und mittleren Partien gut besetzen kann, es jedoch schwierig wird, wenn die zentralen nicht ganz so glänzen. Patrizia Häusermann spielt und singt den Komponisten hingebungsvoll, aber Ute Bachmaier als quicklebendige Zerbinetta bekommt die spritzigen Koloraturen nicht auf den Körper. Stephanie Krone, als Ariadne vokal durchaus souverän, kann den Monologen die «Längen, gefährlichen Längen» nicht austreiben, und Guido ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juni 2014
Rubrik: Magazin, Seite 72
von Wiebke Roloff

Weitere Beiträge
Des Menschen Unglück ist der Mensch

Der Weg von Los Alamos nach Hiroshima führt durch ein Labyrinth von Formeln. Physikalisch gesehen – und bildlich in dieser Inszenierung. Weniger als ein Monat lag zwischen dem erfolgreichen Nuklearwaffentest der USA im Juli 1945 und den verheerenden Atombombenabwürfen der Amerikaner auf Hiroshima und Nagasaki. Ein ­Menetekel der Menschheitsgeschichte.

Beklemmend...

Entschlackungskur

Rachmaninows Lieder sind die mit Abstand meist gesungenen Werke des gesamten russischen Romanzen-Repertoires. Alle großen slawischen Sänger von Schaljapin bis Netrebko haben sie interpretiert und in zum Teil umfangreichen Auswahlen diskografisch verewigt. Rachmaninow selbst, Kussewitzky, Kreisler, Stokowski, Heifetz, Piatigorsky, sogar Morton Feldman (!) und viele...

Bemerkenswert ausgewogen

Das Urteil über Richard Strauss blieb lange gespalten. Ernst Bloch meinte schon in den Zwanzigerjahren, es sei schwer «über ihn ins Reine zu kommen». Und noch zum 50. Todestag schrieb der Musikwissenschaftler Volker Scherliess, es liege auf der Hand, dass zwischen der Erfolgsverwöhntheit von Strauss und seinem künstlerischen Schaffen eine Beziehung bestehe: «Wer...