KALTES LAND

Frost: Der Mordfall Halit Yozgat HANNOVER | STAATSOPER

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Die Holländische Straße in Kassel ist nicht unbedingt das, was man eine schicke Flaniermeile nennen würde. Prosaische Nachkriegsarchitektur dominiert, die vorherrschende Farbe ist mattes Grau, Geschäfte und Wohnhäuser reihen sich schmucklos aneinander. Eine typische Ausfallschneise eben, ohne Flair, ohne Charme. Im April 2006 erlangte diese Straße traurige Berühmtheit. In einem von seiner Familie betriebenen Internetcafé mit der Hausnummer 82 wurde Halit Yozgat erschossen, während im hinteren Teil des Ladens Menschen telefonierten oder durchs das Word Wide Web surften.

Traurig-zynische Ironie des Schicksals: Zwei von ihnen spielten das unter Jugendlichen bis heute äußerst populäre Computerspiel «Call of Duty», in dessen erstem Teil der Spieler als Soldat im Zweiten Weltkrieg (auch) gegen die Nazis kämpft. Während die Jugendlichen hinten Krieg spielten, verübte vorne ein Mitglied der «NSU» die grausige Tat; es war das neunte von insgesamt zehn heimtückischen Verbrechen mit rechtsradikalrassistischem Motiv. Brisant daran: Zur Tatzeit hielt sich Andreas Temme, Mitarbeiter des Hessischen Landesamtes für Verfassungsschutz in den Räumen auf. Als einziger Zeuge meldete er sich zunächst ...

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Opernwelt 6 2022
Rubrik: Panorama, Seite 64
von Jürgen Otten

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