KALTES LAND
Die Holländische Straße in Kassel ist nicht unbedingt das, was man eine schicke Flaniermeile nennen würde. Prosaische Nachkriegsarchitektur dominiert, die vorherrschende Farbe ist mattes Grau, Geschäfte und Wohnhäuser reihen sich schmucklos aneinander. Eine typische Ausfallschneise eben, ohne Flair, ohne Charme. Im April 2006 erlangte diese Straße traurige Berühmtheit. In einem von seiner Familie betriebenen Internetcafé mit der Hausnummer 82 wurde Halit Yozgat erschossen, während im hinteren Teil des Ladens Menschen telefonierten oder durchs das Word Wide Web surften.
Traurig-zynische Ironie des Schicksals: Zwei von ihnen spielten das unter Jugendlichen bis heute äußerst populäre Computerspiel «Call of Duty», in dessen erstem Teil der Spieler als Soldat im Zweiten Weltkrieg (auch) gegen die Nazis kämpft. Während die Jugendlichen hinten Krieg spielten, verübte vorne ein Mitglied der «NSU» die grausige Tat; es war das neunte von insgesamt zehn heimtückischen Verbrechen mit rechtsradikalrassistischem Motiv. Brisant daran: Zur Tatzeit hielt sich Andreas Temme, Mitarbeiter des Hessischen Landesamtes für Verfassungsschutz in den Räumen auf. Als einziger Zeuge meldete er sich zunächst ...
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Opernwelt 6 2022
Rubrik: Panorama, Seite 64
von Jürgen Otten
Alle reden vom Krieg – in der Oper meist nur im Foyer oder bei Benefizaktionen für die Ukraine. Wenn sich aber ein Stück so weit aufs historisch-psychologische Terrain des bewaffneten Konflikts und des königstreuen Patriotismus vorwagt wie Giacomo Meyerbeers «Ein Feldlager in Schlesien» (Untertitel: «Singspiel in drei Akten in Lebensbildern aus der Zeit Friedrichs...
Sie waren wohl das, was man ein Traumpaar nennt: der Regisseur Luc Bondy und der Komponist Philippe Boesmans. Vier Arbeiten realisierten die beiden fantasiebegabten Naturen, drei davon am Théâtre Royal de la Monnaie in Brüssel, wo Boesmans seit Mitte der 1980er-Jahre als Hauskomponist wirkte; er schrieb die Musik, Bondy verfasste das Libretto, führte Regie. Und...
Kann das gut gehen? Nicht irgendeine, sondern die dänische Nationaloper als Produktion mit deutscher Textfassung auf die Bühne zu bringen? Und das so, dass der eigentümliche Wortwitz des Originals in der paarreimenden Übertragung gewahrt bleibt? In Leipzig, bei der Premiere von Carl Nielsens «Maskarade», stellt sich die Frage nach dem glücklichen Gelingen in einem...
