Diskurs ist alles: Suzanne McLeod (Anhilte); Henrike Jacob (Sylva Varescu), Gregor Dalal (Feri), Erwin Belakowitsch (Graf Boni) in Münster; Foto: Theater/Oliver Berg

Zum Mitsingen schööön

Ein Hit, nicht nur für die Generation 60+: Emmerich Kálmáns «Csárdásfürstin» – eine Rundreise nach Münster, Rostock, Trier und Würzburg

Wer über kompendiöse Operettenkenntnisse verfügt, etwa der emeritierte Germanist Volker Klotz, könnte ein «Repertoire» von Hunderten spielbarer Werke dieses Genres zusammenstellen. In der gegenwärtigen Theaterpraxis figurieren jedoch nur noch eine Handvoll «klassischer» Operetten; und sie müssen sich den ohnedies kaum üppigen Anteil unterhaltsamen Musiktheaters in den Spielplänen mit dem etwas moderneren Musical teilen.

Noch vor gut 40 Jahren gehörte Wiesbaden (dank geografischer Nähe der rheinischen Sektfabrikanten) zu den Operetten-Domänen mit jährlich fünf Neuinszenierungen und einem speziell ausgebildeten Interpretationsstil – der viele Jahre amtierende Operettenkapellmeister, nachgerade eine Legende, hieß Bernhard Stimmler. Operettenhochburgen wie Bad Ischl und Mörbisch, die auf eine der spezifischen geistigen und institutionellen Heimatregionen dieser leichten Muse verweisen, haben den Rang eines tourismusindustriell verwertbaren Kulturerbes. Hochkulturelle Nobilitierung der Operette signalisieren ambitionierte Tonträgerprojekte, vorzugsweise bei der Firma cpo und mit dem Dirigenten Ulf Schirmer, der, cum grano salis, die Schatzsucherrolle von Gerd Albrecht übernommen hat. ...

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Opernwelt Februar 2018
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Hans-Klaus Jungheinrich