Warum?

Halévy: La Juive München / Bayerische Staatsoper

Vielleicht hat die Arie der Rezeption fast geschadet: Die Auskopplung von «Rachel, quand du Seigneur», die Beförderung zu einem der Opernhits des 19. Jahrhunderts, raubte der Figur des Eléazar im allgemeinen Bewusstsein entscheidende Facetten. Ein Verzweifelter? Ein grundlos Ausgestoßener, der am Rand von Fassung und Leben seinen Gott um letzte Hilfe anfleht? Die eigentliche Hauptperson von «La Juive» ist aber auch: ein von Hass Zerfressener, ein Zerrissener, den religiöser Wahn und falsch verstandene Gebote in Abgründe ­getrieben haben.

Eine der widersprüchlichsten Tenorrollen tut sich da folglich auf. Doch das lässt sich an diesem Abend nur in Ansätzen (wenn überhaupt) erahnen.

In der Münchner Opernfestspiel-Premiere von Fromental Halévys Drama sieht Roberto Alagna über fast zwei Drittel der Distanz so aus wie Dustin Hoffman in «Tod eines Handlungsreisenden». Ledertasche, graues zurückgekämmtes Haar, eine verkniffene Existenz, die plötzlich, wenn der Schlager des vierten Akts anbricht, schluchzendes Pathos auspacken darf. Letzteres geht wohl aufs Konto von Alagna, der Rest auf das eines Regisseurs, bei dem nicht klar wird, warum er den Auftrag angenommen hat. Über die Rolle des ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2016
Rubrik: Panorama, Seite 45
von Markus Thiel