Jugendliche Grenzgänger
Benjamin Britten war skeptisch. Vermutlich, so schrieb er nach Vollendung seines «Peter Grimes», werde kaum jemand die Oper auf der Bühne ertragen können. Warum, zeigt die Arbeit des jungen österreichischen Regisseurs Philipp M. Krenn. Er verortet das Stück, ganz im Sinne Brittens, an der Schmerzgrenze zum Unerträglichen. Krenns Inszenierung zeigt den Titelhelden als eine gespaltene, von Kindheitserlebnissen traumatisierte Persönlichkeit, schwer belastet durch den Verdacht, Schuld am Tod seines Lehrjungen zu tragen.
Hoch in den von Rolf Glittenberg entworfenen Bühnenraum entrückt, schwebt Grimes’ karg möblierte, in verblichenem Hellblau getünchte Kammer während des gesamten Abends über dem Geschehen. Sich auf seinem Bett wälzend, durchlebt Hauptdarsteller Lance Ryan dort den qualvollen Prozess psychischer Selbstzerstörung; sowohl die gerichtliche Untersuchung des Todesfalles als auch die Stimmen der aufgebrachten Dorfbewohner sind seinem eigenen Inneren entsprungen; dort schreit, brüllt und tobt es. Grimes selbst erhebt Anklage – und rutscht schließlich, nachdem das Bett mehr und mehr in Schieflage geraten ist, auf den Boden hinab wie in einen Abgrund. Ryan verkörpert die ...
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Opernwelt April 2017
Rubrik: Magazin, Seite 86
von Silvia Adler
Warum William Shakespeares «Wintermärchen» als Problemstück gilt, liegt auf der Hand: Es enthält Stoff für mindestens zwei Dramen. Das Erste geht so: Leontes, König von Sizilien, wirft in einem Anfall unbegründeter Eifersucht seine hochschwangere Frau Hermione ins Gefängnis, ihr Neugeborenes lässt er beiseiteschaffen. Zu spät bestätigt das Orakel von Delphi die...
Zart schwebt die Musik durch den Raum: «One charming night», eine der berühmtesten Arien aus «The Fairy Queen». Doch plötzlich stampft das Orchester in wilden Rockrhythmen los. Aber es zerstört Purcells Poesie nicht ganz, holt sie nur auf die Erde zurück, füllt die Körperlosigkeit mit Fleisch. Solche Wechselwirkungen gibt es oft in Helmut Oehrings 2013 in Berlin...
Terynka ist verschwunden. Als die Eltern ihr Kind vom Puppentheater abholen wollen, finden sie nur sein rotes Jäckchen zwischen den Zuschauerstühlen. Damit gehen sie zur Polizei. Der Wachtmeister nimmt Terynkas Foto entgegen und versenkt die Jacke tief in der Schublade. Suchen wird er nach dem Mädchen nicht. Denn er selbst hat es entführt.
In Coburg zeigen...
