Jenseits der Notentreue
Es war eine glückliche Entscheidung, Andrea Marcon für Alte-Musik-Projekte an die Oper Frankfurt zu binden. Denn Marcon ist nicht nur ein hervorragender Cembalist (und Leiter eines renommierten Spezialensembles), sondern auch Lehrer an der Schola Cantorum Basiliensis, also ein erfahrener Pädagoge, der Orchestermusikern beibringen kann, was barocke Musik jenseits der Notentreue ausmacht: Intuition, Rhythmusgefühl und Mut zur Interpretation.
Bei Händels «Ariodante» (Spielzeit 2003/04) und Cavallis «Giasone» (2006/07) hatte Marcon die Orchestermitglieder auf einen rauen, jazzigeren Barock-Sound eingeschworen. Nun stand Vivaldis «Orlando furioso» aus dem Jahr 1727 auf dem Spielplan. Ein Stück aus einer heiklen Lebensphase des Komponisten, in der er versuchte, nach längerer Abwesenheit seine Heimatstadt Venedig mit ungeheurer Erfindungskraft wieder für sich zu erobern und gegen die damals in Mode gekommenen sanfteren Klänge aus Neapel zu behaupten.
Marcon ergänzte das Orchester um eine barocke Rhythmus-Gruppe mit Theorbe und verschiedenen historischen Instrumenten. Doch obwohl die Streicher auf Darmsaiten und mit barocken Bögen spielten, vermisste man an einigen Stellen die für den ...
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Es ist gewissermaßen eine Annäherung von zwei Seiten. Franz Schrekers «Der ferne Klang», ein Überraschungserfolg von 1912, der den Komponisten aus dem Nichts an die Spitze der Aufführungsstatistik katapultierte. Und seine letzte vollendete Oper «Der Schmied von Gent», die bei der Uraufführung 1932 «Jude raus»-Rufe provozierte. (Da sollte Franz Schrekers tödlicher...
Das Theater beginnt schon vor dem Theater. Noch ist kein Ton erklungen, geht es schon hoch her auf der Bühne der Leipziger Oper, wo sich, in ziemlich getreuer Abbildung, der Zuschauerraum der Leipziger Oper befindet. Ein buntes Völkchen strömt, befeuert vom Prinzipal der für diesen Abend engagierten Theatertruppe (mit Verve und Witz: der Schauspieler Friedhelm...
Frau Jurinac, Sie rauchen?
Ja. Erich Kunz hat mich zwar einmal so lange gepiesackt, bis ich g’sagt hab: «Also gut, ich höre auf!» Ich hab dann zehn Jahre nicht geraucht, während der Erich nach drei Tagen sofort angefangen hat. Dann hab ich auch wieder begonnen. So a bissele. Julius Patzak hat nach jeder Arie von der Bühne weg geraucht. «Jussi, du rauchst?», war...
