Janácek: Die Ausflüge des Herrn Brouce

Lübeck

Gegenüber «Jenufa», «Katja», «Füchslein», auch «Totenhaus» und «Ma­kro­pu­los» gilt der «Broucek» immer noch als Außenseiter. Im deutschen wie im tschechischen Sprachraum. Ein in sich divergentes Stück, mit dessen zwei ganz unterschiedlichen Teilen, der Mondfahrt und der Reise ins 15. Jahrhundert, Regisseure sich schwer tun.

Christian von Götz fand jetzt einen gemeinsamen Nenner in der Verdoppelung der Titel­figur: Während Broucek I seine abstrusen Abenteuer erlebt, sitzt Broucek II biertrinkend und dösend am linken Bühnenrand und erinnert den Zuschauer ständig daran, dass die vor ihm ablaufenden Geschehnisse als Traumgebilde zu begreifen sind. Wobei die vom Schauspieler des Broucek II, offenbar einer Lübecker Lokalgröße, gesprochenen Zwischentexte sich in ihrer gemäßigt witzigen Pointierung eher lähmend auf das Ganze auswirkten.
Ansonsten aber liefern Götz und seine Ausstatterin Karin Fritz eine gekonnt turbulente Umsetzung. Das gilt sowohl für die Mond­fantasien mit einer kabarettistischen Emanzen-Revue und der amüsanten Präsentation eines total durchgeknallten Künstlervölkchens wie auch für die mit einem gehörigen Schuss schwar­zen Humors versehenen, grotesk sich ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juni 2007
Rubrik: Kurz Berichtet, Seite 51
von Gerhart Asche

Vergriffen
Weitere Beiträge
Auf der Totenmaske

Stolze vier Uraufführungen stemmt das Stadttheater Fürth zum 1000-jährigen Stadtjubiläum. Mit der Wirtschaftswunderrevue «Petticoat & Schickedance» gelang ein großer Publikumserfolg, jetzt folgte mit dem zweiten Auftragswerk «Aus der Welt» eine anspruchsvollere Kammeroper, die beifällig aufgenommen wurde. Was zum einen an der gar nicht neutönerischen, sondern...

Nicht singen!

Ein Blick genügt, das Drama zu schauen. Wo gewöhnlich Fauteuils sich befanden, teure Teppiche, kristallene Leuchter, schmucke Vasen und imposante Spiegel, da steht jetzt, im Deutschen Theater Berlin, vor geschlossenem rotem Vorhang, nicht mehr als ein braunlederner Dreiteiler auf einer Spielfläche von höchstens neun Quadratmetern. Nichts ist übrig geblieben vom...

Wagner-Voodoo

Kein Zweifel: Der auf den Wassern der Erde umherirrende Fliegende Holländer muss unweit der südamerikanischen Küstenstadt Belem auch in das größte Stromgebiet der Welt eingelaufen sein und, immer westwärts, den Urwald erreicht haben, um sich dort, mitten im brasilianischen Dschungel, in Manaus, der Stadt am Zusammenfluss von Rio Negro und Rio Solimões, mit den...