Frisch wie am ersten Tag

Janácek: Vec Makropulos Bratislava / Slowakisches Nationaltheater

Was eine Hypothese ist, hat wohl selten einer so schlüssig definiert wie Heinz Meier als Hoppenstedt in einem Sketch Loriots. «Hier wäre die Mitte gewesen ... wäre!», giftet er, nachdem ihm sein Duz-Feind Pröhl zwei Drittel des Kosakenzipfels weggegessen hat. Das hypothetische «Was wäre, wenn» ist ja auch das Um und Auf der Kunst – ja, es scheint, pauschal gesprochen, diese vom Kunsthandwerk zu unterscheiden. Während der pragmatische Artisan sich mit dem Ist-Zustand beschäftigt und diesen in der Regel zu beschönigen versucht, zielt Kunst oft aufs Unmögliche, Paradoxe, Hybride.



Etwa auf die Frage nach dem Sinn einer Existenz ohne Verfallsdatum, aufgerollt am Schicksal der E. M. (Emilia Marty alias Eugenia Montez alias Ekaterina Myshkina alias Elian McGregor alias Elsa Müller recte Elena Makropulos), die es schaffte, sich die eiserne Tür des Gewesenen 337 Jahre lang offen zu halten. Es ist der alte Menschheitstraum vom ewigen Leben, zu Beginn vielleicht spritzig wie Champagner, zuletzt schal wie abgestandenes Bier. Die Protagonistin ist ein weiblicher Ahasverus, schön, zynisch, monströs. In seiner Inszenierung von «Die Sache Makropulos» in Bratislava stellt Peter Konwitschny diese ...

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Opernwelt Januar 2016
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Gerhard Persché