Jahrmarkt der Beliebigkeiten
Unübersichtlich fast wie die Berlinale, bunter als die Internationale Tourismusbörse: So erwirtschaftete sich «MaerzMusik», das «Festival für aktuelle Musik», in fünf Jahren einen Stammplatz in der Berliner Festivallandschaft. Die Konzepte scheinen beliebig. Doch gerade das wirkt in der verknöcherten Neuen Musik fast als Befreiungsschlag. Die Auslastung stimmt, im Aufwind der Berliner Festspiele wurden diesmal sogar Wartelisten geführt und Extratermine erwogen. Das alles mit einem Musiktheater-Schwerpunkt, wie es ihn ausgeprägter hier noch nie gab.
Ist die Oper Zukunftsland einer in tausend Uraufführungsinselchen zersprengten Neuen Musikwelt?
Was Festival-Leiter Matthias Osterwold unter dem Thema «Japan und der Westen» an Blumen zusammenband, war freilich noch kein Wunderwerk des Ikebana. Nach einer präludierenden konzertanten Aufführung von Kaija Saariahos «L’Amour de loin» unter Kent Nagano fuhr man mit Cong Sus «Welt im Quecksilberlicht» (auf ein Libretto des Chefs der Berliner Opernstiftung, Michael Schindhelm) sogleich tief in den Keller harmlosester Blumenzwiebelkunde: Bewusstlos wird ein Mann auf einer Berliner Straße gefunden. Er hat seine Identität verloren und will ...
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I. Eigentlich ist Lucilla die kapriziöse Zicke des Stückes. Sie gibt sich bescheiden und einfühlsam, doch gleichzeitig zieht sie ihren Mann in den Bankrott, indem sie ihrer Leidenschaft für Mode, Haute Cuisine, Schmuck und Partys frönt. Sie ist das genaue Gegenteil ihrer Schwägerin, der lieblichen Angelina, die ihren Namen nicht umsonst trägt und abendfüllend...
War es Zufall oder die Macht des Schicksals? Das Orchester der Vlaamse Opera in Antwerpen, das vor kurzem noch seine Auflösung befürchten musste, spielte nun Giorgio Battistellis Oper «Prova d’orchestra» – ein Werk, das die Geschichte eines revoltierenden Klangkörpers erzählt. Vorlage für diese Komposition, die 1995 in Straßburg uraufgeführt wurde, war Federico...
Im Fall der traditionellen chinesischen Oper (xiqu) lässt sich von einem Gesamtkunstwerk der performativen Künste sprechen. Schamanistische Praktiken, Tänze, Jahrtausende alte Ringkämpfe und Hochstemmwettbewerbe, Schwertschlucker und Zauberer aus dem Römischen Reich, die über die Seidenstraße ins «Reich der Mitte» gereist waren, oder Bambusstamm-Equilibristen aus...
