Jahrhundert der Probeläufe

Ein weites Feld: «Experimentelles Musik- und Tanztheater»

Das Spektrum ist groß. Immens groß. Es reicht von Loïe Fullers innovativem Tanz um 1900 bis zu dessen Vereinnahmung durch das Video, von Hindemiths Ein­aktern bis zu modernen Blinden- und Gerhörlosenstücken. Das experimentelle Musik- und Tanztheater des 20. Jahrhunderts auf knapp 400 Seiten zu einer Art Handbuch zu verknappen, ist so schwierig, wie den Kölner Dom in Echtgröße als 3-D-Puzzle abzubilden.

Dennoch haben sich Frieder Reininghaus und Katja Schneider als Herausgeber an dieses kühne Unternehmen gewagt und einen in seiner Informationsdichte üppigen, von der Ergebnisvielfalt her erwartbar disparaten Band vorgelegt.
In den Beiträgen der mehr als vierzig Autoren wird immer wieder deutlich, wie wenig historische Distanz und, damit verbunden, wie wenige Klassifizierungsmodelle es bis dato gibt, um das vergangene Jahrhundert systematisch zu erfassen – ein Problem, das sich allein schon an der Unterschiedlichkeit von Opernlibretti festmachen lässt. Die Band­breite erstreckt sich von herkömmlichen narrativen Textvorlagen bis zu Werken wie Rihms «Eroberung von Mexico», denen jede Form einer klar definierten Handlung und Personenkonstellation fehlt. Die einzelnen Aufsätze zeichnen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Februar 2005
Rubrik: Magazin, Seite 27
von Christoph Vratz

Vergriffen
Weitere Beiträge
Ein Mord, den keiner versteht

Was noch nie sich traf, danach trachtet ihr Sinn: Anna Viebrock, bekannt als Ausstatterin Christoph Marthalers und Jossi Wielers, führt inzwischen selbst Regie und bringt Ungewöhnliches auf die Bühne. Wie Frank Castorf des herkömmlichen Repertoires überdrüssig, vertheaterte sie erst Robert Walsers Roman «Geschwis­ter Tanner», um nun mit einem Musik­theaterprojekt,...

Eine Klasse für sich

An der Berliner Staatsoper Unter den Linden haben Sie gerade Ihr Rollendebüt als Janáˇceks Katja Kabanova gegeben – mit einem Regisseur, Michael Thalheimer, der vorher noch nie eine Oper inszeniert hat. Wie verliefen die Proben?
Sehr ungewöhnlich. Spannend. Thalheimer hat eine neue Form des Ausdrucks gesucht. Neu zumindest für die Oper. Es ist eine ganz eigene...

Nichts für die kleinen grauen Zellen

Mit der 1928 in Wien herausgebrachten «Herzogin von Chicago» lag Emmerich Kálmán im Trend. Die klassische europäische Operette war klapprig geworden, kein Wunder nach den vielen Champagnerexzessen. Der jüngere Vetter aus Amerika, das Musical, drohte sie über den Haufen zu rennen. Da kam eine Frischzellenkur wie dieser in Gesang und Tanz ausgetragene «Kulturkampf»...