Jahrhundert der Probeläufe
Das Spektrum ist groß. Immens groß. Es reicht von Loïe Fullers innovativem Tanz um 1900 bis zu dessen Vereinnahmung durch das Video, von Hindemiths Einaktern bis zu modernen Blinden- und Gerhörlosenstücken. Das experimentelle Musik- und Tanztheater des 20. Jahrhunderts auf knapp 400 Seiten zu einer Art Handbuch zu verknappen, ist so schwierig, wie den Kölner Dom in Echtgröße als 3-D-Puzzle abzubilden.
Dennoch haben sich Frieder Reininghaus und Katja Schneider als Herausgeber an dieses kühne Unternehmen gewagt und einen in seiner Informationsdichte üppigen, von der Ergebnisvielfalt her erwartbar disparaten Band vorgelegt.
In den Beiträgen der mehr als vierzig Autoren wird immer wieder deutlich, wie wenig historische Distanz und, damit verbunden, wie wenige Klassifizierungsmodelle es bis dato gibt, um das vergangene Jahrhundert systematisch zu erfassen – ein Problem, das sich allein schon an der Unterschiedlichkeit von Opernlibretti festmachen lässt. Die Bandbreite erstreckt sich von herkömmlichen narrativen Textvorlagen bis zu Werken wie Rihms «Eroberung von Mexico», denen jede Form einer klar definierten Handlung und Personenkonstellation fehlt. Die einzelnen Aufsätze zeichnen ...
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Der ultimative «Eugen Onegin» ist dieser Mitschnitt aus der Wiener Staatsoper nicht, er hält lediglich ein regionales Ereignis fest: die mit berühmten Stimmen besetzte erste Wiener Aufführung der Oper in der russischen Originalsprache.
Das Unternehmen krankt schon vom Pult aus. Seiji Ozawa sucht das, was er für «russische Seele» hält, durch lähmend langsame Tempi...
An der Berliner Staatsoper Unter den Linden haben Sie gerade Ihr Rollendebüt als Janáˇceks Katja Kabanova gegeben – mit einem Regisseur, Michael Thalheimer, der vorher noch nie eine Oper inszeniert hat. Wie verliefen die Proben?
Sehr ungewöhnlich. Spannend. Thalheimer hat eine neue Form des Ausdrucks gesucht. Neu zumindest für die Oper. Es ist eine ganz eigene...
Herr Jöris, Ihre Inszenierung der «Winterreise» arbeitet mit zwei Stimmen (Bariton/Mezzo) und zwei Darstellern. Wie kam es zu dieser Dramaturgie und welche Ziele verfolgten Sie damit?
Es war mir freigestellt, welche Stimmfächer und wie viele Sänger bzw. Statisten ich einsetzen wollte. Je mehr ich mich mit dem Stück beschäftigte, desto mehr entwickelte sich die...
