Italienische Reise

Die Oper steht in ihrem Geburtsland mit dem Rücken an der Wand. Doch zur Strecke ­gebracht hat sie die Telekratie Berlusconis noch nicht. Auch weil die jüngere Generation wieder Hunger auf Musiktheater zeigt. Es geschieht mehr auf den Bühnen zwischen ­Milano und Palermo, als man nördlich der Alpen ahnt. Deutet sich etwa ein Risorgimento der darstellenden Künste an?

Seit ihrer Geburt im frühen 17. Jahrhundert hat die Kunstform Oper die Geister Italiens gespalten. Jahrhundertelang hatte man sich für sie buchstäblich entschuldigen müssen – gegen­über dem intellektuellen Bildungsbürgertum, das es vorzog, sich für die Wiederbelebung des «echten» griechischen Dramas einzusetzen, ebenso wie gegenüber Vertretern von Kirche und Staat, mochten diese auch noch so unbedeutende Kleinfürsten oder ausländische Besatzer sein.

Sämtliche denkbaren Verflechtungen von Mäzenatentum und Zensur, Lobpreis und Kritik seitens der Mächtigen haben hier – von Monteverdi bis Verdi und über diesen hinaus – ihren Ursprung. Heute hingegen misst sich der Marktwert einer Oper an ihrer (mal deutlicher, mal weniger deutlich erkennbaren) Relevanz in Bezug auf zeitgenössische Themen. Dabei wird Oper umkämpft von Bewahrern und Erneuerern, von Advokaten der Werktreue und Verfechtern des Regietheaters, von «alten Hasen» und jungen Bilderstürmern.

Die gute Nachricht: Die jüngere Generation geht heute wieder hin, auch in Italien. Vorbei die Tage, in denen Mittelklassen-Schnösel und adrette Studenten scharenweise zu Jazz- und Rock-, Symphonie- und Kammerkonzerten pilgerten, oder ...

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Opernwelt Juli 2011
Rubrik: Im Focus, Seite 22
von Carlo Vitali

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