«Irgendwie erfindet man sich immer wieder neu»
Herr Bachler, nach einem Jahr an der Bayerischen Staatsoper: Was hat Sie am meisten überrascht? Was hätten Sie so nie erwartet?
Erstens die unglaubliche Offenheit der Menschen hier. Ich wusste gar nicht, mit wie vielen Konditionen man in Wien lebt. Ich hatte mich daran gewöhnt, dass man in Wien immer sekundär und tertiär denkt. In München ist alles viel direkter und einfacher – auch und gerade in der Kunstwahrnehmung. Zweitens die Erfahrung, wie schnell man die als solide bekannte, altehrwürdige Bayerische Staatsoper lebendig machen kann.
Ich war positiv überrascht, wie offen die Leute für Veränderungen waren. Allerdings habe ich in der Leitungsebene auch eine völlig neue Generation etabliert.
Das kann man auch andersherum formulieren: Sie haben das halbe Haus gekündigt.
Das halbe Haus war es nicht, aber entscheidende Positionen. Genau genommen haben mit meinem Amtsantritt zwölf Personen die Oper verlassen. Theater ist nun einmal etwas, das sich immer wieder umwälzen und verändern muss, sonst werden wir alle Facility Manager. Und der Prozess fängt mit dem Intendanten an. Die Gefahr der Verbürgerlichung der Kunst ist ohnehin riesengroß.
Wenn es einen Schnitt an der Bayerischen ...
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