«War of the Worlds» in L.A. – innen und außen inszeniert von Yuval Sharon; Foto: Craig T. Mathew and Greg Grudt/Mathew Imaging, Promo
Invasion aus dem Off
Die Spuren des Zweiten Weltkriegs sind noch überall präsent in Downtown Los Angeles. Aber kaum jemand hat ein Auge für die rund 240 auf Stahlmasten montierten gelben Sirenenköpfe, die Mitte der 1940er-Jahre aufgestellt wurden, um vor Luftangriffen zu warnen. Der Ernstfall ist, zum Glück, nie eingetreten. Gleichwohl blieben die wie kleine Ufos anmutenden Heuler vier Jahrzehnte lang in Alarmbereitschaft. Erst 1985 legte man das System still. Seitdem rosteten sie stumm und unbeachtet vor sich hin.
Bis ein paar theaterverrückte Künstler im November 2017 drei von ihnen wieder wachküssten.
Die Idee, das alte Gerät zu reaktivieren, schoss Yuval Sharon durch den Kopf, als er mit den Kuratorinnen der auf Projekte und Aktionen im öffentlichen Raum spezialisierten Gruppe Now Art eine Zusammenarbeit sondierte. Vor sieben Jahren hat Sharon eine experimentelle Performance-Plattform gegründet, mit der er eine Reihe aufsehenerregender Arbeiten realisierte: The Industry. Gleich im ersten Anlauf mischte die junge Off-Company die Kulturszene L.A.s auf, mit einer Hyper-Oper («Crescent City»), die das Leben in einer sturmverwüsteten Geisterstadt simuliert. Die Musik, eine wilde Phantasmagorie aus ...
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Opernwelt Februar 2018
Rubrik: Magazin, Seite 68
von Albrecht Thiemann
Nur drei Jahrzehnte trennen die beiden Werke – und doch klafft ein tiefer historischer Graben zwischen ihnen. Als Paul Abrahams «Märchen im Grand-Hotel» 1934 uraufgeführt wird, ist der jüdische Komponist bereits aus Berlin geflohen. Seine neue Lustspieloperette kann nur noch in Wien auf die Bühne gelangen – dabei atmet sie doch denselben frech-frivolen Geist der...
Jemand hat Wagner-Partien einmal mit einem Rolls-Royce verglichen: Mit dem Rolls schmücke man seine Garage, mit dem Bayreuther Meister gerne die Biografie. Selbst Heroen des Belcanto und Verismo wie Caruso oder die (junge) Callas suchten Ruhm und Ehre auf Wagner’schen Schlachtfeldern. Nina Stemme hat den Rolls längst virtuell in der Garage stehen: Seit ihrem...
Schon vor 40 Jahren hat Hans Werner Henze gegen die wahllose Selbstbedienung des Tanztheaters aus dem Plattenschrank der Musikgeschichte polemisiert: «Es wäre mir angenehm, die Choreographen würden ihre Füße von der Musik lassen, die nicht für sie gedacht ist.» Längst haben diese «Übergriffe» aufgrund einer «mangelhaften ästhetischen Erziehung» (Henze) auch das...
