Wir sollten nicht aufgeben

Die Komponistin Sarah Nemtsov über ihre neue Oper «Sacrifice», die Anfang März in Halle uraufgeführt wird

Der französisch-ägyptische Schriftsteller Edmond Jabès schrieb einmal, der Sinn des Buches sei es, das Nichts auszufüllen. Ist dies auch der Sinn von Musik?
Ich habe meiner Oper «L’Absence» ein Zitat von Jabès vorangestellt: «Jede beschriebene Seite ist ein entwirrtes Knäuel von Schweigen.» Das empfinde ich nach wie vor so. Sprache ist wie Musik das Ringen um Ausdruck. Es geht darum, etwas mitzuteilen. Gleichzeitig scheitert man daran, weil man so viele Dinge auf einmal gar nicht sagen kann.



Ist das Unsagbare vielleicht genau das, was wir in der Musik hören?

Auch wenn es eine ambitionierte Sichtweise ist, würde ich sagen: ja. Und auch ich versuche, wie viele Komponisten, in und mit meiner Musik das auszudrücken, was ich sonst vielleicht nicht sagen könnte.

Das heißt, die Musik hebt die Begrenzung auf, die wir in der Sprache haben?

Ich weiß nicht, ob Sprache immer eine Begrenzung ist. Denn es gibt ja auch sehr präzise Denker, die sehr genau formulieren können, was sie zuvor gedacht haben; da öffnen sich schon ganze Welten. Musik ist eine andere Art der Mitteilung, und sie kann in ihrer Vieldeutigkeit etwas anderes sagen. Ich finde jedoch nicht, dass man Musik als die bessere Möglichkeit ...

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Opernwelt März 2017
Rubrik: Magazin, Seite 82
von Jürgen Otten