Raus aus dem Drama

Die Lulu habe sie von Anfang an in sich gespürt, sagt Marlis Petersen. Bald wird sie die Rolle an der Met singen und spielen, wenige Wochen nach der Medea in Aribert Reimanns gleichnamiger neuer Oper an der Wiener Staatsoper. Aber auch mit Mozarts Königin der Nacht und Pamina, Strauss’ Zerbinetta, Massenets Thaïs oder zuletzt Haydns Angelica fühlt(e) sich Marlis Petersen wohl. Weil sie weiß, was sie tut und wann es Zeit für eine Auszeit ist.

Kennen Sie den Film «Dieses obskure Objekt der Begierde» von Luis Buñuel?
Um ehrlich zu sein, nein.

Es ist ein Film, der die Bourgeoisie, wie es Buñuels Art war, nicht eben in positives Licht setzt.
Das heißt, man muss sich diesen Film anschauen...

Er erzählt die Geschichte eines gutbürgerlichen Mannes, der ein junges Mädchen liebt und es verführt, nach außen hin aber stets den sittsamen Gentleman gibt. Doch nicht um diesen Mann geht es, sondern um die Frau.

Wenn man sich vergegenwärtigt, wie Frauenfiguren oft auf der Opernbühne agieren – meist schmach­ten sie, liegen darnieder, werden wahnsinnig, sterben und sind dabei immer ein obskures Objekt der Begierde...
Das würde ich auch so sehen.

Und Sie selbst: Sehen Sie sich auf der Bühne auch so? Sind Sie eher Objekt oder Subjekt der Begierde?
Ich denke, das trifft den Nagel auf den Kopf. Meist sind die Frauen Objekt der Begierde. Subjekte werden sie vielleicht später, wenn sie durch einige Tiefen hindurchgegangen sind und begonnen haben zu reflektieren. Frauen dienen als Projektionsflächen, und es hat
eigentlich immer mit Begierde zu tun. Aber ist das nicht auch im Leben immer der Fall? (lacht)

Also reden wir Klartext: Es geht um Lulu. ...

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Opernwelt Januar 2010
Rubrik: Interview, Seite 16
von Jürgen Otten

Vergriffen