Apropos...Opernschauspieler

Graham F. Valentine hat zwar keine Gesangsausbildung absolviert, ist aber dennoch Dauergast auf den Musiktheaterbühnen. Von Offenbachs «Pariser Leben» über Strauss’ «Ariadne auf Naxos» bis zu Luciano Berios «Un re in ascolto» reicht die Liste der Werke, in denen der Schotte bislang auf der Bühne stand. Gerade hat er am Theater Basel in Christoph Marthalers Version von «My Fair Lady» den Professor Higgins gegeben, jetzt ist er an der Berliner Staatsoper in einer Rolle zu erleben, die er auch schon an der Vlaamse Opera verkörpert hat: als Philosoph Pangloss in Bernsteins Musical «Candide». Premiere der Inszenierung von Vincent Boussard ist am 24. Juni.

Herr Valentine, Sie haben mit Ihrer Dauerpräsenz im Musiktheater quasi ein neues Fach kreiert: den Opernschauspieler.
Ich halte nichts von solchen Etiketten. Mir geht es darum, am Rand zu bleiben. Für Schauspieler ist es immer gut, Distanz zu wahren.

Empfinden Sie es als Vorteil, nicht im Opernsinne singen zu können?
Für mich ist Sprache Musik. Das kann man gar nicht vom Singen trennen – das sind sozusagen verschiedene Punkte auf der gleichen Skala. Aber sicher ist es ein Vorteil, dass ich keine Gesangsausbildung habe.

So komme ich wenigstens nicht auf den
Gedanken, wie ein Opernsänger klingen zu wollen und mich an einem Maßstab zu messen, der mir nicht gut tut.

Spricht man auf einer Opernbühne anders als im Sprechtheater?
Ich habe immer das Gefühl, dass ich es dem Publikum schuldig bin, dass es den Text versteht – egal, auf was für einer Bühne ich stehe. Deshalb spreche ich grundsätzlich sehr laut und bin froh, dass ich eine starke Stimme habe. Gerade ältere Leute haben im Theater doch oft Schwierigkeiten, den Text zu verstehen. Ich übrigens auch. Und wenn ich, wie jetzt in «Candide», auch singe, versuche ich zu erreichen, dass ich nicht verstärkt werde. Das klappt auch
meistens.

In ...

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Opernwelt Juni 2011
Rubrik: Magazin, Seite 71
von Jörg Königsdorf