«Die reine Stimme interessiert mich nicht»

Engagiert, aufgeschlossen, nachdenklich: die Sopranistin Anja Kampe über den Kulturverfall in Berlusconis Italien, über die Extreme von Wagners Senta und die Wohlfühlqualität ­seiner Sieglinde, über die kammermusikalische Kontur von Beethovens Leonore und ihr ­Prinzip, nie als Einspringerin zu singen

Lieben Sie Pavese?
Ich kenne Pavese. Und habe einiges von ihm sehr gern gelesen.


Darf ich Ihnen dann den unlängst auf Deutsch erschienenen Roman «Die einsamen Frauen» empfehlen? Ein zauberhaftes Buch.
Vielen Dank für den Tipp. Aber ich möchte den Roman lieber im Original lesen. Ich habe schließlich viele Jahre lang in Italien gelebt.


Sie sind als sehr junge Frau dorthin gegangen. Eine beruflich mutige Entscheidung.
Ich muss Sie enttäuschen. Es waren rein private Gründe.


Schade, denn der Wechsel von Dresden nach Turin liest sich in einer Vita immer umwerfend.
Das war auch ein mutiger Schritt, als 21-Jährige, natürlich. Ich ging nach Italien, ohne das Land je zuvor gesehen zu haben. (lacht)


Aber warum leben Sie jetzt in Spanien?
Auch aus privaten Gründen. (lacht)


Gibt es auch Dinge, die Sie nicht aus privaten Gründen machen?
Die gibt es schon. Aber ich denke, man sollte viel häufiger Dinge nur aus privaten Gründen tun. Man macht das vielleicht viel zu wenig.


Könnten Sie noch nach Deutschland zurückkehren?
Ehrlich gesagt, nein. Ich bin immer froh, wenn ich hier im Theater arbeiten kann. Alles ist wunderbar organisiert. Aber ständig hier zu leben, kann ich mir nicht vorstellen. Es gibt in ...

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Opernwelt Mai 2009
Rubrik: Interview, Seite 20
von Jürgen Otten

Vergriffen