Balance und Bodenhaftung

Wer heute als Tenor Karriere machen will, kann nicht nur auf die Stimme bauen. Ohne Selbstvermarktung geht es nicht. Jonas ­Kaufmann weiß im Gespräch mit Manuel Brug von den Erwartungen und ­Mechanismen des aktuellen Opernbetriebs ein Lied zu singen.

Herr Kaufmann, Sie haben jetzt ­einen Plattenvertrag bei einem großen Label. Jetzt geht es auf die Autobahn. Promotion, Konzerte. Wollen Sie das?
Wenn man einmal seinen Fuß da reinsetzt, dann muss man das machen. Ich habe mich lange gesträubt, einen solchen Vertrag zu unterschreiben, ich hatte schon öfters Gespräche, wollte es aber nie, wollte meine Projekte machen, das, wozu ich Lust habe. Aber letztlich habe ich gemerkt, so funktioniert das mit den Platten nicht.

Mir sind mehrere Sachen entgangen, weil ich keinen Exklusivvertrag bei der entsprechenden Kompanie hatte. Eigentlich sollte ich mit Harmonia Mundi so viele Liedplatten machen, wie ich wollte, ohne Einschränkung beim Repertoire. Wir hatten viele Pläne, Liszt, «Schöne Müllerin», doch dann ist nichts realisiert worden. Man wollte den Erfolg der ersten Strauss-Platte abwarten. Der kein großer war, weil nie Werbung dafür gemacht wurde. Für andere Künstler des Labels schon. Es wurde noch nicht einmal international vertrieben. Ich blieb da ein Fremder. Nur als ich für die CD den Grammophone Award bekam, da sollte es plötzlich losgehen. Da war dann aber für mich der Zug abgefahren.

Und dann kam die Decca?
Nicht nur, aber die waren ...

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Opernwelt Januar 2008
Rubrik: Interview, Seite 28
von Manuel Brug

Vergriffen