In der Klemme
Die staatlichen Theater in Russland sind nicht zu beneiden. Das Kulturministerium versetzt den Kulturschaffenden des Landes einen Schlag nach dem anderen und erinnert immer mehr an ein Propagandaministerium. Nach einem Telefonanruf «von oben» werden Intendanten und Regisseure entlassen, die sich offen gegen den Krieg äußern, ihre Stücke verschwinden aus dem Repertoire. Auch die «hybride» Form des ideologischen Kampfes kommt zur Anwendung.
Im Moskauer Künstlerischen Theater wird zwar mit großem Erfolg das Stück «Serjoscha» (nach «Anna Karenina») aufgeführt, doch der Name von Regisseur Dmitri Krymov ist auf dem Plakat durchgestrichen. Ähnlich ergeht es dem von Kirill Serebrennikov inszenierten Stück «Der Wald», wo man im Programm zwar die Rubrik «Regisseur» findet, aber keinen Namen. Die Aufführung von Stücken lässt sich nicht überall stoppen, umso mehr als jedes Theater, das staatlich finanziert wird, auch Auflagen zu erfüllen hat, sprich: eine bestimmte Anzahl von Premieren und Repertoireaufführungen pro Saison.
In einer noch heikleren Situation befinden sich das Bolschoi-Theater und sein Intendant Wladimir Urin. In den ersten Tagen des Angriffskrieges gegen die Ukraine hatte ...
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Opernwelt Februar 2023
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Konstantin Nikischin
Bereits im Vorwort seines berührenden Buches aus dem Jahr 2007 stellt Alexander Kluge klar, dass es ihm bei den 120 «Geschichten vom Kino» um das «Prinzip Kino» gehe, also um den erweiterten Begriff der Kunstgattung. Er halte dieses «Kino», schreibt Kluge, «für unsterblich und für älter als die Filmkunst», weil es auf einem zeitlosen Prinzip beruhe – darauf...
Der Teufel hol’ den deutschen Kontrapunkt!», so fluchte Richard Strauss einmal ironisch. Aber nicht bloß in der Partitur der «Meistersinger von Nürnberg» seines Vornamenskollegen regiert im Stimmengeflecht der ausdrucksvolle Widerpart. Auch szenisch versteht sich Regisseur Keith Warner darauf. «Wach auf!» schmettert der Chor etwa als Huldigung an Hans Sachs – doch...
Fangen wir diesmal mit dem Ende an. Puccinis letzte Oper bietet drei finale Lösungen. Die erste ist in der Aufführungsgeschichte des Werkes die meistgewählte, aber beileibe nicht die beste: Franco Alfanos apotheotische, affirmativ-apodiktische Ergänzung suggeriert einen Triumph der Liebe, den der Stoff beim besten Willen nicht hergibt; gleichsam ein lieto fine, das...
