In der besten aller möglichen Welten
Auf die weit aufgerissene, bis zu den Brandmauern leere Bühne treten zu Leonard Bernsteins das Leben lobpreisender Ouvertüre allerhand Menschen in bunt-diverser Kleidung. Sie könnten sich gerade zu einer Chorprobe hier im Opernhaus versammeln, nehmen sie doch auf einer sich über die ganze Portalbreite ausdehnenden Stuhlreihe Platz und beobachten, was Einzelne von ihnen, die aus dem Kollektiv hervortreten, so zu singen haben. Die Ideen Voltaires haben hier so wenig Bedeutung wie die Umwälzungen der Aufklärung oder sonstige hehre philosophische Diskurse.
Gleichsam voraussetzungslos setzt der Abend ein, in maximaler Distanzierung zu Musik, Text und abenteuerlicher Handlung.
Regisseur Daniel Fish und sein Team –Bühnenbild: Andrew Lieberman und Perrine Villemur, Kostüme: Terese Wadden – wollen ihren Bernstein nicht «bedienen». An der Opéra de Lyon scheuen sie alles Revuehafte, Opulente, Fantastische, setzen vielmehr auf Askese in postmodern wie postdramatisch performativ ausgelegter Brecht’scher Verfremdung. Dieser Zugriff ist konsequent und streng durchgearbeitet; jedes Chormitglied hat den Ansatz körperlich für sich begriffen, die kleine Tanztruppe (Choreografie: Annie-B Parson) ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Februar 2023
Rubrik: Panorama, Seite 38
von Peter Krause
Herr Shchetynsky, was ist «ukrainische Musik»?
Man könnte sagen, dass ukrainische Musik eine Art riesiges Auffanglager der Weltkulturen ist. Die heutige ukrainische Musik umfasst alle Genres – Musiktheater, symphonische Werke, aber auch Kammermusik und Solokompositionen. Ich spreche jetzt nur von der zeitgenössischen klassischen Musik. Auf diesem Gebiet arbeite ich...
Was ist der Erde Glück? Ein Schatten! Was ist der Erde Ruhm? Ein Traum! Du Armer! Der vom Schatten du geträumt! Der Traum ist aus, allein die Nacht noch nicht …» Erschütterndes gibt Medea, die Kindesmörderin, ihrem Gatten Jason mit auf den einsamen Weg, bevor sie durch den fallenden Vorhang ins Nichts entschwindet. So endet Franz Grillparzers Drama «Medea», dritter...
Für einen Moment glaubt man, alles hätte auch eine andere Abzweigung nehmen können, ohne Schwan, Gottfried und Gralserzählung. Immer wieder werden Kerle an die Rampe geschoben – Zwangsfreiwillige als Stellvertreter Elsas im Kampf gegen den Ankläger Telramund. Doch mit Händen und Füßen wehren sie sich erfolgreich und lenken, ein Regiekniff, dabei vom rechten...
