Immer in Bewegung

Simon Rattle erklärt, was Wagners «Rheingold» mit Miles Davis, Brahms’ «Deutsches Requiem» mit Schütz und die Berliner Philharmoniker mit jungen Strafgefangenen zu tun haben

Sir Simon, kurz nach Ihrer Wahl zum Chefdirigenten der Berliner Philharmoniker im Jahr 1999 wurden Sie gefragt, was Sie sich von dem neuen Job erhoffen. Ihre Antwort war damals: durch die Arbeit mit dem Orchester zu lernen. Was haben Sie wäh­rend Ihrer ersten fünf Berliner Jahre gelernt?

Es ist kein Tag vergangen, an dem ich nicht mindestens zehn Dinge von den Philharmonikern gelernt hätte. Und ich hoffe, dass ich ihnen hin und wieder auch ein paar Dinge mitgeben konnte.

Wenn man mit einem Spitzenorchester wie den Berliner Philharmonikern zu tun hat – und von dieser Kategorie gibt es sehr, sehr wenige –, sind alle «normalen» Regeln außer Kraft gesetzt. Wer von einem solchen Orchester aufgenommen wird, spürt sofort, dass es da nicht nur um die korrekte Ausführung eines Notentextes geht, nicht nur um den Anfang einer Note, sondern auch um deren Mitte, Ende, Farbe, Umgebung usw. Das Musizieren erreicht ungeheure Kultur und Komplexität. Es ist für mich faszinierend und lehrreich zugleich, wenn ich sehe, wie bei den Philharmonikern verschiedene Generationen mit sehr unterschiedlichen Erfahrungen und Hintergründen zusammenwirken. Mir ist wichtig, dass die Jüngeren sehr genau auf die ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2007
Rubrik: Interview, Seite 38
von Stephan Mösch, Albrecht Thiemann

Vergriffen
Weitere Beiträge
Aus der Händel-Werkstatt

Unter den Dirigenten, die sich intensiv mit den Opern Händels beschäftigen, ist Alan Curtis mit Abstand der findigste: Auch wenn mittlerweile eigentlich alle Händel’schen Bühnenwerke auf CD vorliegen, findet der Amerikaner doch immer noch irgendeinen Kniff, der eine Neuaufnahme unter dem verkaufsfördernden Etikett einer «Ersteinspielung» rechtfertigt. Anders als...

Britten: Death in Venice

Eine Repertoire-Vorstellung. Dennoch lautstarker Beifall. Nun ist bei Hans-Jürgen Schöpflin von einer ganz und gar erfüllten Darstellung des Gustav Aschen­bach zu sprechen. Sicher auch ­einer etwas untypischen, denn sein Aschenbach hadert nicht mit der Last des Alters, steht noch in besten Mannesjahren, was die «gesunde» Belcanto-Manier des Sängers unterstreicht....

Alle gegen alle

Das Händel-Fieber hat sich nach dem Ende der Ära Sir Peter Jonas gerade ­etwas abgekühlt, da erhitzen sich in München die Gemüter erneut – bei ­einer Oper seines vornehmlich in Hamburg wirkenden Zeitgenossen Reinhard Keiser. Freilich nicht im National­theater, sondern als Produktion der Bayerischen Theaterakademie August Everding im Prinzregententheater: Bei der...