Im Weltinnenraum des Traums

Die Schumann-Lied-Edition mit Christian Gerhaher, Gerold Huber und weiteren exzellenten (Gesangs-)Solistinnen und Solisten setzt höchste Maßstäbe

Opernwelt - Logo

Die Zeilen sind Legende: «Über allen Gipfeln / Ist Ruh, / In allen Wipfeln /Spürest du / Kaum einen Hauch; / Die Vöglein schweigen im Walde. /Warte nur, balde / Ruhest du auch.» Wie so viele andere Komponisten vor und nach ihm, hat auch Robert Schumann dieses zweite der unter dem Titel «Wandrers Nachtlied» rubrizierten Gedichte aus Goethes Feder (der Dichter überschrieb es mit «Ein Gleiches») vertont.

Schumann findet für diese Verse einen Ton, der die ganze Orientierungslosigkeit des romantischen Subjekts, seine düstere, beinahe wortlose Stimmung in zart-innigliche Klänge fasst, ohne auch nur eine Sekunde in Larmoyanz zu verfallen. Sein, des verunsicherten Subjekts, Schmerz erscheint als wattiert, besänftigt. Und ist doch absolut direkt in seinem Ausdruck. Wenn Christian Gerhaher und Gerold Huber (die nur als Gespann zu verstehen sind, weil sie als Sänger und Pianist symbiotisch verschmelzen wie derzeit kein anderes Duo) dieses Lied interpretieren, dann wird deutlich, worin die große Kunst der beiden Interpreten liegt: Dringlichkeit und Dezenz sind hier ein traumhaftes (ganz und gar undialektisches) Paar, und nicht ein Wort ist da, das nicht durch den Klavierklang beglaubigt, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt November 2021
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 22
von Jürgen Otten

Weitere Beiträge
Großer Spaß

Diese grandiose Groteske, die György Ligeti nach der Vorlage des flämischen Dramatikers Michel de Ghelderode schuf, lässt offen, wer in diesem absurden Theater nun wirklich der personifizierte Tod des Werktitels ist. Ein charismatischer Gaukler, der all den schrägen Gestalten des heruntergekommenen imaginativen Breughel-Lands einen höllischen Schrecken einjagen...

Ein bisschen Hoffnung

An den Ufern der Loire, nachts um halb eins. Als habe ihnen jemand etwas in den Tee getan, irren gallische Frauen und Männer, sämtlich blondbezopft (sind sie gar dem Comic «Asterix und Obelix» entwichen?), in wallenden grünen Gewändern durch den dunklen Zauberwald, hauen einander mit krummen Stöcken aus Holz nach Barbarenart in die Rippen. Es dauert eine Weile, bis...

Die Kartoffeln des Kaisers

Wie nur wenige Herrscher vor oder nach ihm hat Napoléon Bonaparte Musikgeschichte geschrieben. Musikpolitik war für ihn Machtpolitik, und also versuchte er seinen Ruhm vor allem von der Opernbühne herab zu untermauern, indem er den Franzosen in Gestalt der von ihm favorisierten Komponisten Paisiello, Paër und Spontini den italienischen Geschmack oktroyierte – mit...