Im Schattenreich
Dass Stéphane Lissner Ende des vergangenen Jahres ein Opera Award für gute Führungsqualitäten verliehen wurde, konnte man durchaus als ironische Pointe verstehen. Schließlich hatte der Intendant des Teatro San Carlo vor Gericht um seinen Job kämpfen müssen, nachdem er durch ein Dekret der italienischen Regierung zuvor aus dem Amt getrieben worden war. Dabei lässt sich kaum bestreiten, dass der Kulturmanager einem der ältesten Theater Italiens frischen Wind verliehen hat – was sich bei der Saisoneröffnung zur jüngsten Spielzeit bestätigte.
Für Puccinis «Turandot» hat Lissner den in Deutschland etablierten, in Italien hingegen noch weitgehend unbekannten russischen Regisseur Vasily Barkhatov engagiert. Ein Schock für das an Chinoiserien gewöhnte neapolitanische Publikum ist bereits das Bühnenbild, das an die Ruine der toskanischen Abtei San Galgano erinnert. Zu Beginn zeigt ein Video die Beerdigung von Calafs Vater Timur, danach eine Autofahrt von Turandot und Calaf. Barkhatov begreift sie als modernes Paar in einer Krise, die erst von einem knapp verhinderten Autounfall gelöst wird: Von jetzt auf gleich werden die beiden voneinander getrennt, um sich später in der Phantasmagorie ...
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Opernwelt Februar 2024
Rubrik: Panorama, Seite 49
von Guy Cherqui
Ob obiges Bildnis wirklich bezaubernd schön ist, darüber ließe sich ausgiebig debattieren, zumal sich der Geschmack über die Zeiten hin doch stark geändert hat. Was aber unzweifelhaft ist: Der Mann, den wir dort sehen, war einer der mächtigsten Absolutisten Europas und hält zudem mit einer Amtszeit von satten 72 Jahren den Herrscher-Rekord. Von 1643, da war er...
Im Anfang ist, nein, nicht das Wort. Im Anfang ist die Musik. Eine zarte, sirenengleich aus dem Graben ansteigende, sich nach und nach intensivierende Melodie des Violon -cellos schwebt durch den Saal, bald begleitet vom sanften Schnarren des Schlagzeugs. Auf einer ständig hin und her flackernden Bildprojektion (Video: Jan Isaak Voges, Live-Kamera: Daniel Sorg)...
Es gibt ein paar Regeln des Betriebs, die bei Adriana González sogleich außer Kraft traten. Eine davon lautet, dass es für junge Sängerinnen und Sänger gut ist, sich zunächst in einem Ensemble zu entwickeln, Sicherheit zu bekommen. Eine andere, die damit zusammenhängt, lautet, dass es für junge Sängerinnen und Sänger gut ist, das Repertoire nicht hektisch, aber...
