Im Nonsenshaus
Menschen tendieren gelegentlich zu Dummheit und Spießigkeit. Doch: kein Grund zur Aufregung! Oder: wenn Aufregung, dann im Opernhaus! Philippe Boesmans jedenfalls erfüllte sich mit seinem letzten Werk den lang gehegten Wunsch nach einer komischen Oper.
Mit seinem Stammhaus, dem Théâtre La Monnaie, durch vier Jahrzehnte und ein halbes Dutzend Uraufführungen eng verbunden, griff der im April vergangenen Jahres verstorbene Komponist dazu auf Georges Feydeaus Farce «On purge bébé» von 1910 zurück, in der eine Darmverstopfung und die folgende Weigerung eines Siebenjährigen, ein Abführmittel zu schlucken, inflationär Peinlichkeiten zeitigen. So fährt der renitente Nachwuchs dem Vater just zu dem Zeitpunkt in die Parade, als dieser bei einer Produktpräsentation zum Armeelieferanten für Nachttöpfe avancieren möchte. Nur gut, dass des Kindes Konstipation den ministeriellen Aufkäufer ins Schwärmen über seinen Kuraufenthalt versetzt. Die Analfixierung des Ganzen mündet in die unbeabsichtigte Verkostung des Purgativs durch den eifrigen Fabrikanten und einen ministeriellen Spitzenbeamten – mit entsprechend gravierenden en Folgen. Unterdessen glaubt die Mutter des Kindes, ihr erzieherisches ...
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Opernwelt Februar 2023
Rubrik: Panorama, Seite 36
von Michael Kaminski
Dass es neben der italienischen auch eine prosperierende deutsche Barockoper gab, und das nicht nur am Hamburger Gänsemarkt, hat sich anscheinend noch immer nicht herumgesprochen. Italienisch klingt halt schöner, und von der süffigen Countermanie lassen wir uns alle nur zu gern verführen … Wie gut, dass das Theater Heidelberg auf seinem kleinen, feinen Festival...
Eine Barockoper mit drei Bässen und zwei Tenören in den Hauptrollen auf einen historisch nicht allzu lange zurückliegenden Stoff, welcher der antiken Mythologie und Geschichte die kalte Schulter zeigt – so etwas kann nicht aus Italien, sondern nur aus dem europäischen Norden kommen. Politische Rücksichten scheinen jedoch die Premiere von Johann Matthesons für die...
Die Kunde kam wenig überraschend, und doch konnte man ein leises Beben in der Musikwelt kaum überhören: Anfang Januar erklärte Daniel Barenboim seinen Rücktritt als Generalmusikdirektor der Staatsoper Unter den Linden. Leider habe sich sein Gesundheitszustand, so der scheidende Dirigent in einer offiziellen Presseerklärung, «deutlich verschlechtert», er könne jene...
