Im Korsett des anderen Konzepts

Nürnberg/Würzburg, Weber: Der Freischütz

Da setzen zwei fränkische Theater fast zeitgleich Webers «Freischütz» auf den Spielplan, und beide Male fällt krankheitshalber der dafür engagierte Regisseur aus. Während in Würzburg als Einspringer Raik Knorscheidt mehr Zeit und zündende Einfälle hatte, um dem Konzept von Roland Velte (das dieser bereits 1994 in Halle realisiert hatte) den eigenen Stempel aufzudrü­cken, blieb Helen Malkowsky in Nürnberg in vier Wochen nur noch der undankbare Job, als Spiel­leiterin die von Uwe Eric Laufenberg konzipierte Auf­füh­rung achtbar zu retten.


Jammerschade, dass Intendant Wulf Konold diese Premiere nicht einfach verschoben hat. Denn dass die Nürnberger Oberspielleiterin durchaus mehr kann, bewies sie unlängst mit ihrer gut durchdachten, unter der Oberfläche durchaus auch bösen «Rosenkavalier»-Interpretation. Diesmal, im Korsett des anderen Konzepts und der zugehörigen Ausstattung, blieb alles halbgar und in Andeutungen stecken. Man spürt nur, was gemeint sein könnte, und das ist zu wenig. Die dunklen Seiten des Stücks sind auf allzu oberflächliche Effekte reduziert, die bunte, angeblich heile kleinbürgerliche Welt wird wenigstens zuweilen erfrischend auf die Schippe genommen. Die mit ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt März 2007
Rubrik: Panorama, Seite 49
von Monika Beer

Vergriffen
Weitere Beiträge
Editorial

Dass der seit August 2006 amtierende Met-Chef Peter Gelb der mächtigs­te Opernmanager Amerikas ist, sieht man ihm nicht an. Meist steckt der schmächtige Mann in einem unauffälligen, leicht verknitterten schwarzen ­Anzug. Das schüttere Haar wird gewiss von keinem Star-Coiffeur gestylt, und auf der Nase sitzt auch keine Designerbrille. Gelbs Büro im Parterre des...

Sekunden(alp)traum

Es händelt stark an der Rheinschiene: Der wunderbare «Saul» in der Regie Dietrich Hilsdorfs war gerade wieder in Bonn zu sehen, Bonn und Wiesbaden bringen in Kürze «Julius Cäsar» auf die Bühne – und Koblenz steuert eine szenische Version der «Susanna» bei. Kaum je wird das Oratorium von 1749 im Konzert aufgeführt, noch seltener ist es in szenischen Umsetzungen zu...

Zeremonien und Rituale

Der Big Apple liebt den Superlativ. Wer sich und seine Sache nicht in den höchs­ten Tönen anpreist, steht hier schnell im Abseits. Das Größte, das Glanzvollste, das Be­rühmteste muss es schon sein, wenn man die Aufmerksamkeit der ­Öf­fentlichkeit erregen will. Auf dem Marktplatz New York zählt nun mal vor allem der grelle Pinselstrich, das blendende...