Im Höllenkreis

Evgeny Titov bemüht für George Enescus «Œdipe» an der Komischen Oper Berlin eine drastische Symbolsprache, Ainārs Rubiķis dynamisiert die Klangströme des Werks

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Fast zeitgleich donnern auf vier Berliner Bühnenbretter die Schicksalsschläge der griechischen Tragödie: Ödipus’ Verhängnis. Und keine Spielplanpanne: Zwei Schauspiel- und zwei Opernhäuser der Hauptstadt nutzen die Mythensaga, das Lebensdrama des unschuldig-schuldigen Mannes, punktgenau zur Saisoneröffnung.

Da entsteht die Frage: Ist das Theatertrauerspiel für unsere Zeit der Krisen und Katastrophen nicht notwendig zum Sinnbild geworden für alle Arten des undurchschaubaren Desasters, für vernichtendes Leid? Am Deutschen Theater spielte man den «Oedipus» des Sophokles, die Schaubühne offerierte eine brandneue Familientragödie namens «Oedipus», und die Deutsche Oper präsentierte auf ihrem Open-Air-Parkdeck die bittere Ödipus-Opernpersiflage «Greek», die der junge Brite Marc-Anthony Turnage 1988 verpoppt, verjazzt herausgeschleudert hatte – nun grell neuinszeniert von der jungen Regisseurin Pinar Karabulut, die im Opernfach debütierte und dafür frenetisch gefeiert wurde.

Mit höchster Kraftentfaltung wuchtete die Komische Oper, wieder in voller Orchesterstärke, George Enescus «Œdipe» auf die Bühne, jene Tragédie lyrique um den verfluchten Vatermörder und Mutterschänder, an deren ...

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Opernwelt November 2021
Rubrik: Im Focus, Seite 8
von Wolfgang Schreiber

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