Im Gefühlsrausch

Puccini: La fanciulla del West im Theater Hagen

Opernwelt - Logo

Dass es in der Oper, dem «Kraftwerk der Gefühle» (Alexander Kluge), immer schon auch um soziale und ökonomische Verhältnisse ging, ist bekannt. Unter den fest im Repertoire verankerten Komponisten hat sich aber wohl keiner so sehr für wirklich prekäre Lebensverhältnisse interessiert wie Giacomo Puccini, auch wenn er sie – wie in «La Bohème» – gelegentlich idealisierte. Auch «La fanciulla del West», noch immer ein Stiefkind des Repertoires – und nicht frei von Idealisierungen –, streift ja am Ende sogar hart den Kitsch.

Was noch kein Grund dafür ist, dass die Westernoper so selten gespielt wird. Immerhin hielt sie Puccini selbst für sein bestes Werk, und kein Geringerer als der garantiert nicht kitschverdächtige Anton Webern zollte der Partitur höchstes Lob: «Jeder Takt überraschend. Ganz besondere Klänge. (...) Ganz verhext hat mich diese Oper.» 

Gewiss liegt es auch nicht an der filmischen Erzählweise der «Fanciulla», die heutigen Sehgewohnheiten ja eher entgegenkommt. Es ist wohl eher die Vorstellung, dass Puccinis Verismo sich hier vor einer Cowboy-Western-Kulisse abspielt, im Kalifornien zur Zeit des Goldrauschs, sowie die Tatsache, dass trotz «besonderer Klänge» kaum ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Februar 2023
Rubrik: Panorama, Seite 31
von Regine Müller

Weitere Beiträge
Traumspiele

Giacomo Meyerbeer wäre eigentlich der erste gewesen. Doch es kam anders. «Gewisse Extravaganzen», wie es sein Bruder ausdrückte, riefen die Zensur auf den Plan. Librettist Felice Romani musste «Francesca da Rimini» allerdings deswegen nicht der Schublade überantworten. Ein Dutzend Mal fand seine Version einer Begebenheit aus Dantes «Divina Commedia» den Weg auf die...

In der besten aller möglichen Welten

Auf die weit aufgerissene, bis zu den Brandmauern leere Bühne treten zu Leonard Bernsteins das Leben lobpreisender Ouvertüre allerhand Menschen in bunt-diverser Kleidung. Sie könnten sich gerade zu einer Chorprobe hier im Opernhaus versammeln, nehmen sie doch auf einer sich über die ganze Portalbreite ausdehnenden Stuhlreihe Platz und beobachten, was Einzelne von...

Wahrhaft königlich

Die Vorliebe der Barockoper für hohe Stimmen spiegelt sich auch in der inzwischen schier unüberschaubaren Menge an Solo-Recitals auf CDs wieder. Da begegnen uns vor allem Falsettisten und Soprane, nach Tenören, Bässen, gar Baritonstimmen hält man vergeblich Ausschau. Dies entspricht freilich nur der Rollenhierarchie der metastasianischen Seria, in der Kastraten und...