Im Gefühlsrausch
Dass es in der Oper, dem «Kraftwerk der Gefühle» (Alexander Kluge), immer schon auch um soziale und ökonomische Verhältnisse ging, ist bekannt. Unter den fest im Repertoire verankerten Komponisten hat sich aber wohl keiner so sehr für wirklich prekäre Lebensverhältnisse interessiert wie Giacomo Puccini, auch wenn er sie – wie in «La Bohème» – gelegentlich idealisierte. Auch «La fanciulla del West», noch immer ein Stiefkind des Repertoires – und nicht frei von Idealisierungen –, streift ja am Ende sogar hart den Kitsch.
Was noch kein Grund dafür ist, dass die Westernoper so selten gespielt wird. Immerhin hielt sie Puccini selbst für sein bestes Werk, und kein Geringerer als der garantiert nicht kitschverdächtige Anton Webern zollte der Partitur höchstes Lob: «Jeder Takt überraschend. Ganz besondere Klänge. (...) Ganz verhext hat mich diese Oper.»
Gewiss liegt es auch nicht an der filmischen Erzählweise der «Fanciulla», die heutigen Sehgewohnheiten ja eher entgegenkommt. Es ist wohl eher die Vorstellung, dass Puccinis Verismo sich hier vor einer Cowboy-Western-Kulisse abspielt, im Kalifornien zur Zeit des Goldrauschs, sowie die Tatsache, dass trotz «besonderer Klänge» kaum ...
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Opernwelt Februar 2023
Rubrik: Panorama, Seite 31
von Regine Müller
Menschen, Tiere – Sensationen? Nun ja, die großen Überraschungen sind im Verlauf der Geschichte, die beide Arten zusammenbrachte, ausgeblieben. Der Mensch hat das Tier entweder domestiziert oder getötet, das Tier den Menschen mit seinen Mitteln hier und da zur Räson zu bringen versucht. Annäherungen gab (und gibt) es immer wieder, vor allem Füchse schleichen sich...
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