Alles fließt

Cecilia Bartoli singt im Konzerthaus Dortmund zum ersten Mal Bellinis Norma. Und Thomas Hengelbrock verortet das Stück zwischen Haydn, Weber und Wagner

Mal ehrlich: Wer hätte das gedacht? Dass es klappt. Dass man es wirklich ernst nehmen kann. Dass man eingeschliffene Hörerwartungen und Klangperspektiven gern korrigiert? Cecilia Bartoli singt Norma – die ganze Partie (die Arie hatte sie schon vorher aufgenommen). Ein Wagnis. Als die Römerin vor zwanzig Jahren ihre Karriere startete, hätte das niemand vorhersagen können. Damals war es die schlichte Schönheit der Stimme, eine neu entdeckte Einfachheit und Unverfälschtheit, die alle in Bann zog.

Doch Bartoli war neugierig, wollte sich nicht auf Rosina und Cenerentola abonnieren lassen, zerstritt sich mit der Met, in deren Riesenauditorium ihre Stimme verzwergen musste, begegnete Nikolaus Harnoncourt, entdeckte den Wert autographer Quellen. Fortan machte sie ihre eigenen Projekte, tourte für Vivaldi, den Opernkomponisten, für den italienischen Gluck, zeigte Himmel und Hölle der Kastratenwelt, das Stimmprofil der Malibran. Alle diese Projekte waren generalstabsmäßig durchgeplant, von weltweitem PR-Getöse begleitet, medial und finanziell maximal ausgeschlachtet. Und doch steckt hinter ihnen der eiserne Wille und der unverwüstliche Charme einer Sängerin, die noch dem letzten Sponsor so ...

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Opernwelt August 2010
Rubrik: Im Fokus, Seite 6
von Stephan Mösch

Vergriffen