Wenn die Musik zum Raum wird

Simon McBurney baut der Zauberflöte in Amsterdam Wunderbrücken, David Hermann treibt ihr in Antwerpen alles Humane aus

Die drei punktierten Akkordschläge werden schon vor Beginn der Aufführung eingespielt. Und schon da sind sie mehr als bloß das Einlasszeichen. Sie heben vielmehr den Abstand auf – zwischen Alltagswelt und Zauberstück, zwischen Publikum und Künstlern. Spätestens nach der Pause wird einem das so richtig bewusst, wenn Sarastro, das heißt eigentlich: der Sänger Brindley Sherratt zum Mikrofon greift und den Zuschauern erklärt, wie wichtig diese «Versammlung» sei: «Wir befinden uns in Zeiten der Krise».

Auf einmal begreift man auch, dass diese Konferenz im Amsterdamer Muziektheater, zu der sich Vertreter aus Politik, Kultur und Religion eingefunden haben, uns alle angeht, selbst wenn hier anscheinend nur das märchenhafte Schicksal eines Prinzen verhandelt wird. Welcher «Mensch», so werden sich unter den Anwesenden nicht wenige gefragt haben, unterzieht sich schon aus freien Stücken vergleichbaren Prüfungen, bevor er ein Regierungsamt übernimmt? Wer besitzt Tugend, Verschwiegenheit, ist überdies wohltätig genug, um vor einem hohen Haus bestehen zu können?

Der dreifache Bläserakkord hat Symbolkraft. Er baut die Brücke zwischen dem Leben da draußen und dem Spiel hier drinnen. Dazu passt, ...

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Opernwelt Februar 2013
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Hartmut Regitz