Welt und Gegenwelt

Verdis «Trovatore» als Museumsphantasmagorie bei den Salzburger Festspielen, Schuberts Kreuzritter-Oper «Fierrabras» als Sonntagsmärchen

Es ist ja nicht so, dass man Schuberts heroisch-romantische Oper «Fierrabras» nicht ernst nehmen könnte. Ruth Berghaus und Claudio Abbado haben sie in Wien 1988 ernst genommen, Enge und Sehnsüchte der Metternich-Zeit herausgehört, Schwerter und Kreuze als Einheit gedeutet und das Stück wieder ins Bewusstsein geholt. Nach längerer Pause gelang Claus Guth und Franz Welser-Möst in Zürich 2002 eine Antithese: «Fierrabras» nicht als Polit-Parabel, sondern als Gedankentheater des permanent anwesenden und experimentierenden Komponisten.

Die Brechung war bereichernd, die Last des Narrativen abgeworfen, Traumlogik plötzlich vermittelbar. Ein Intendanten-Erfolg für Alexander Pereira in Zürich. Daran in Salzburg anzuknüpfen, ist eine schöne Idee, zumal die Festspiele noch nie eine Oper von Schubert angesetzt haben.

Ernst genommen wurde «Fierrabras» auch diesmal, allerdings auf grässlich verharmlosende Weise. Peter Stein buchstabiert die Handlung, in der es um Glaube, Liebe, Hoffnung und einen Konflikt der Generationen geht, nach der Manier eines Sonntagsmärchens. Die Kreuzritter sind gut und weiß. Sie tragen Helme und Kettenhemden, ihre Burgfräuleins drehen Spinnräder und haben blonde Zöpfe. ...

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Opernwelt November 2014
Rubrik: Im Focus, Seite 24
von Stephan Mösch