Wachgeküsst

Die Innsbrucker Festwochen der Alten Musik

Die Musik ist im Grunde bekannt, als prachtvoller instrumentaler Einzug des Kaisers, jetzt aber verändert und mit einem Text unterlegt, der die Helden Roms feiert. Irgendwie von Mozart und doch wieder nicht. Joseph Weigl bediente sich für diese Arie beim Marsch des großen Kollegen und zimmerte daraus eine Haupt- und Staatsaktion für Tenor und Chor.

Und dann geht es weiter: ein Duett für Tito und Sesto aus Weigls Feder, später des Kaisers «Ah se fosse» im neuen Klangkleid, Urheber anonym, gegen Ende noch das früh-rossinianisch angehauchte «Non tradirmi in quest’istante» von Simon Mayr, ebenfalls in den Mund des Monarchen gelegt.

Das richtige Werk ist es schon: «La clemenza di Tito». Aber eben in einer Fassung, wie sie 1804 im Wiener Kärntnertortheater erklang. Dreizehn Jahre nach Mozarts Tod passte man seine Seria mit Einlage-Arien den aktuellen Interpreten an. Sie ver­raten viel über den musikalischen Zeitgeist. Die Innsbrucker Festwochen der Alten Musik machen hörbar, wie weit sich die Kollegen vom Genie Mozarts entfernten, seine Stückkraftfelder schwächten – und wie mit dem Belcanto eine neue Epoche heraufdämmerte.

Ein Verdienst von Alessandro De Marchi ist das. Im dritten Jahr ist ...

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Opernwelt November 2013 2013
Rubrik: Im Focus, Seite 26
von Markus Thiel